Bundeswehr in Afghanistan Soldatenmutter will Politiker und Militärs vor Gericht bringen

Ihr Sohn war der 38. Bundeswehrsoldat, der im Afghanistankrieg ums Leben kam. Jetzt verlangt die Mutter nach SPIEGEL-Informationen, sein Tod solle ein juristisches Nachspiel haben.
Trauerfeier für Nils Bruns: Am 2.4.2010 wurden der 35-Jährige und zwei Kameraden getötet

Trauerfeier für Nils Bruns: Am 2.4.2010 wurden der 35-Jährige und zwei Kameraden getötet

Foto: POOL/ REUTERS

Hamburg - Es ist die erste Anzeige einer Angehörigen eines gefallenen Soldaten, die dem Verteidigungsministerium bekannt wurde: Eine Mutter fordert, dass der Tod ihres Sohnes in Afghanistan juristisch aufgearbeitet wird.

Nils Bruns kam am 2. April 2010 ums Leben, es war ihr einziger Sohn. Der 35 Jahre alte Hauptfeldwebel und Vater einer kleinen Tochter war am Karfreitag während eines Feuergefechts mit Taliban durch einen Sprengsatz getötet worden; im selben Gefecht kamen zwei weitere Bundeswehrsoldaten ums Leben.

In dem Strafantrag, den der Anwalt der Mutter verfasst hat und der inzwischen der Staatsanwaltschaft Potsdam vorliegt, heißt es nach Informationen des SPIEGEL: Die Frau sei "nach reiflicher Überlegung und umfassenden Recherchen zu der Überzeugung gelangt, dass der Tod ihres Sohnes zu den gegebenen Umständen hätte verhindert werden können und müssen". Man habe die Einheit ihres Sohnes "unter bewusster Versagung militärischer Hilfe verrecken lassen", heiße es in dem fünf Seiten langen Schreiben weiter.

Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft will das Ministerium nicht Stellung nehmen.

An der Trauerfeier für Bruns und seine beiden Kameraden in Selsingen hatten damals Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) teilgenommen. In ihrer Rede hatte die Kanzlerin damals das Wort Krieg im Zusammenhang mit dem Einsatz in Afghanistan benutzt: "Die meisten Soldaten nennen es Bürgerkrieg oder einfach Krieg. Ich verstehe das gut." Auch Guttenberg hatte erklärt: "Was wir am Karfreitag in Kunduz erleben mussten, bezeichnen die meisten verständlicherweise als Krieg. Ich auch."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.
Merkliste
Speichern Sie Ihre Lieblingsartikel in der persönlichen Merkliste, um sie später zu lesen und einfach wiederzufinden.
Jetzt anmelden
Sie haben noch kein SPIEGEL-Konto? Jetzt registrieren
Mehrfachnutzung erkannt
Bitte beachten Sie: Die zeitgleiche Nutzung von SPIEGEL+-Inhalten ist auf ein Gerät beschränkt. Wir behalten uns vor, die Mehrfachnutzung zukünftig technisch zu unterbinden.
Sie möchten SPIEGEL+ auf mehreren Geräten zeitgleich nutzen? Zu unseren Angeboten