Bundeswehr in Afghanistan Tod bei der Bombensuche

Schon wieder sind Bundeswehrsoldaten Opfer eines Taliban-Angriffs geworden: Ein Mann starb, zwei wurden schwer verwundet, als ein Sprengsatz explodierte und ihren Panzer zerstörte. Wurden sie in eine Falle gelockt?

Panzer des Typs "Marder" in Masar-i-Sharif (Archivbild): Sprengsatz tötet Deutschen
dapd

Panzer des Typs "Marder" in Masar-i-Sharif (Archivbild): Sprengsatz tötet Deutschen

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Berlin/Kabul - Ein toter deutscher Soldat, fünf Verletzte - davon zwei schwer: Das ist die grausame Bilanz eines Anschlags der Taliban auf einen deutschen Panzer in der nordafghanischen Provinz Baghlan.

Der Angriff ereignete sich nahe einer kleinen Ortschaft im sogenannten Qandahari-Gürtel in der Region Baghlan um 7.24 Uhr deutscher Zeit. Am Straßenrand war ein großer Sprengsatz versteckt worden, er detonierte als ein Panzer des Typs "Marder" vorbeifuhr. Das Kettenfahrzeug wurde fast völlig zerstört, von weitem war eine riesige Rauchwolke zu sehen. Fünf verwundete Soldaten wurden per US-Helikopter ins Lazarett des Bundeswehrlagers Kunduz gebracht, zwei von ihnen sind schwer verletzt. Ein Soldat, ein 23-jähriger Oberstabsgefreiter der Panzerbrigade 21 "Lipperland" in Augustdorf, starb noch am Anschlagsort. Bei den Verwundeten handelt es sich um einen Hauptfeldwebel (30), ein Stabsunteroffizier (27), zwei Hauptgefreite (24 und 21) sowie einen Feldwebel d. Reserve (46).

Die Opfer gehören zur 2. Kompanie des Ausbildungsschutzbataillons in Masar-i-Sharif. Die Soldaten der in Afghanistan stets als Task Force Masar-e-Sharif bezeichneten und sehr robust ausgestatteten Einheit sind im sogenannten Außenposten "OP North" stationiert, der in Baghlan auf einer Anhöhe liegt und als einer der besonders gefährlichen Standorte gilt.

Ziel der Operationen der Task Force Masar-e-Sharif, welche die afghanische Armee und die Polizei bei laufenden Operationen in der Praxis ausbildet, ist die Sicherung des Gebiets rund um die wichtige Verbindungsstraße von Norden in Richtung Kabul.

Aktuell waren die Soldaten in der Operation "Bahar" eingesetzt und sollten die Rückkehr von im Frühjahr 2011 vertriebenen Taliban verhindern. Nun, so die Mitteilung des Befehlshaber der Auslandseinsätze, seien sie entlang einer Hauptverbindungsstraße auf der Suche nach versteckten Sprengfallen gewesen, um die Straße für die Bundeswehr wieder befahrbar zu machen. Bei dieser Suche kam es zu dem Anschlag.

Hinweise auf eine gezielte Falle

In Bundeswehrkreisen wurde betont, dass es sich bei der Bombe um einen sehr großen Sprengsatz gehandelt haben muss. Denn der "Marder", ein tonnenschwerer Panzer, sei bei dem Anschlag stark zerstört worden. Auch in den vergangenen Monaten war es öfter zu gewaltigen Anschlägen gekommen, offenbar verfügen die Taliban jetzt, so wird es in der Truppe interpretiert, über ausreichend Sprengstoff und Know-how um sehr viel größere Sprengsätze zu bauen als bisher.

Aus dem Einsatzland gab es schon Stunden nach dem Anschlag erste Spekulationen, ob die Deutschen möglicherweise in eine Falle gelockt wurden. Offenbar hatte die Bundeswehr Hinweise bekommen, dass an der Straße ein Sprengsatz versteckt worden war und war dorthingefahren, um diesen zu entschärfen.

Der Hinweis sei von afghanischer Seite gekommen, hieß es in Bundeswehrkreisen, möglicherweise habe es sich um eine gezielte Falle gehandelt. Ersten Ermittlungen zufolge wurde die Bombe ferngezündet als der "Marder" vorbeirollte. Bisher gibt es noch keine Beweise dafür. Doch heizen die Gerüchte die enormen Zweifel an, die viele der Bundeswehr-Soldaten inzwischen an der Zusammenarbeit mit der afghanischen Armee und der Polizei haben.

Auf dem Außenposten "OP North" hatte im Februar ein afghanischer Soldat drei deutsche Soldaten getötet. Seitdem misstrauen die Deutschen ihren eigentlichen Partnern massiv und suchen immer mehr Abstand zu den afghanischen Rekruten.

Verteidigungsminister Thomas de Maizìere verurteilte den Anschlag, bekräftigte aber zugleich das deutsche militärische Engagement am Hindukusch. "Wir werden unseren Auftrag weiter ausführen", sagte er am Rande des Evangelischen Kirchentags in Dresden. Der Gewalt dürfe man nicht weichen. Wenn sich Deutschland jetzt zurückzöge, würde das den radikal-islamischen Taliban in die Hände spielen. Die Taliban hätten in jüngster Zeit an Boden verloren und griffen deshalb zum Mittel der Gewalt. Zudem sagte der Minister: "Das Beten für Täter und Opfer - für Opfer gleich welcher Nation - ist gut und richtig. Insoweit ist auch ein Gebet für die Taliban nötig und sinnvoll."

Der am Donnerstag in Baghlan getötete Soldat ist bereits der vierte deutsche Gefallene innerhalb der vergangenen zwei Wochen. Bereits am 25. Mai war ein deutscher Hauptmann in der Umgebung von Kunduz bei einem Angriff auf eine Patrouille ums Leben gekommen, nur drei Tage später kam es zu dem fatalen Anschlag auf das deutsch-afghanische Sicherheitstreffen in Talokan, dort wurde ein Berater und ein Personenschützer des deutschen Regionalkommandeurs Markus Kneip durch die Detonation einer Tage zuvor versteckten Bombe in den Tod gerissen.

Am Mittwoch hatten Nato-Streitkräfte nach dem Anschlag in Talokan den ersten Fahndungserfolg verkündet: US-Spezialkräfte und afghanische Soldaten einen möglichen Komplizen der Attentäter gefasst. Der Mann soll Verbindungen zur Islamischen Bewegung Usbekistans haben. Er habe detailliert über den Anschlag per Telefon nach Pakistan berichtet. Das Gespräch wurde offenbar abgehört und führte die Fahnder so auf die Spur.

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Lars Windhorst 02.06.2011
1. schwer verständlich
warum sind die nach 50 Toten immer noch nicht abgezogen ? Warum kapituliert Herr de Maiziere nicht endlich und zieht "unsere Jungs" ab ?
Panasonic, 02.06.2011
2. Alles vorhersehbar
Das Problem ist der Islam, eine freiheitsfeindliche, von Gewalt geprägte, faschistische Ideologie, die in uns eine Beutegesellschaft sieht, lebensunwerte Schriftführer und Ungläubige, die es zu vernichten gilt. Je Schwächer wir werden, desto offener werden wir genau diesen Hass erleben. Umkehrschluss: Enweder wir rüsten stark auf uns setzen unsere Interessen massiv durch, oder wir fahren nach Hause und machen hinter uns das Gartentor zu. Davor muss aber erst das allgemeine Erwachen kommen. Und dan dem Punkt habe ich jede Hoffnung verloren.
Hubatz 02.06.2011
3. Scheint so...
.. als würden die Talibankrieger jetzt richtig loslegen. Hoffentlich kapiert die Bundeswehr jetzt, dass sie dort nichts zu gewinnen hat. Neulich habe ich mit einem Bundeswehrsoldaten unterhalten, der grade auf Urlaub hier in D ist. Seine Meinung: "Is'n scheiss Land. Keine Ahnung warum wir noch da unten sind. Das einfache Volk will unsere Hilfe garnicht. Du kannst da keinem vertrauen." Ist im Krieg wohl so...
dendrocopos 02.06.2011
4. ...ruht zur Zeit
Zitat von Lars Windhorstwarum sind die nach 50 Toten immer noch nicht abgezogen ? Warum kapituliert Herr de Maiziere nicht endlich und zieht "unsere Jungs" ab ?
...weil a) 50 Tote Soldaten in Anbetracht des Geleisteten lächerlich wenig sind (bei der Berliner Luftrücke starben mehr alliierte Soldaten für Deutschland) b) von den 50 Toten ein Drittel bei Unfällen ums Leben kam c) weil Herr de Maiziere das nicht zu entscheiden hat d) weil ein Viertel aller Länder dieser Welt (über 45) in AFG helfen und es Deutschland nicht zusteht, einfach die Fahnen zu streichen
outdoor 02.06.2011
5. !!!
Zitat von Lars Windhorstwarum sind die nach 50 Toten immer noch nicht abgezogen ? Warum kapituliert Herr de Maiziere nicht endlich und zieht "unsere Jungs" ab ?
Wenn sie nur ein bisschen taktisches Verständnis hätten würden sie wissen das eine Absetzschlacht mit diesen immensen Mengen an Material eine der kompliziertesten Operationen ist die es gibt. Die Bundeswehr müsste ihre Truppenanzahl massiv erhöhen und es würde in diesen Tagen mehr Tote geben als in den nächsten 5 Jahren. Ganz einfach es geht nicht. Aber hier vorm Computer sitzen und Abzug brüllen ist immer einfach.
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