Einsatz in Mali Extremes Klima legt offenbar Bundeswehr-Fahrzeuge lahm

Wegen Hitze, Staub und steiniger Pisten: Die Hälfte der Bundeswehr-Fahrzeuge in Mali soll derzeit nicht einsatzbereit sein. Im Norden des Landes wurden unterdessen fünf malische Soldaten getötet.

Kampfhubschrauber "Tiger" (Archivbild)
DPA

Kampfhubschrauber "Tiger" (Archivbild)


Das extreme Klima in Mali macht der Bundeswehr bei ihrem Einsatz in dem afrikanischen Land offenbar schwer zu schaffen. Laut der Zeitung "Die Welt" ist die Hälfte ihrer Fahrzeuge derzeit nicht einsatzbereit. Nach einer technischen Überprüfung seien sie vorläufig stillgelegt worden. Hitze bis zu 50 Grad Celsius, Staub und steinige Pisten setzten den Fahrzeugen zu. Hinzu kämen die schleppende Ersatzteilversorgung aus Deutschland und die unterdimensionierte Fahrzeuginstandsetzung im Camp Castor in Gao.

Für den Kampfhubschrauber "Tiger", der am 1. Mai einsatzbereit gemeldet werden soll, fehlt dem Bericht zufolge noch eine Sonderfreigabe zum Flug unter hohen Temperaturen. Derzeit gelte eine Grenze von 43,26 Grad Celsius. Überstiegen die Temperaturen vor Ort diesen Wert, dürfe der Hubschrauber nicht starten. Beantragt sei eine Sondergenehmigung für den Einsatz bis 48,26 Grad Celsius.

"Die Auftragserfüllung gegenüber den Uno ist sichergestellt", sagte der stellvertretende Kontingentführer des 4. Deutschen Einsatzkontingentes in Gao, der "Welt": "Die Einsatzbedingungen führen uns aber regelmäßig an die technische Belastungsgrenze."

Die Bundeswehr unterstützt in Mali die Uno-Mission Minusma, die sich für eine Stabilisierung des von ethnischen Konflikten und Terrorismus bedrohten Staates engagiert. In Mali sind derzeit bis zu 1000 deutsche Soldaten im Einsatz.

Fünf Soldaten sterben bei Angriff auf Armeestützpunkt

Die Lage im Land bleibt gefährlich: Mutmaßliche Dschihadisten haben bei einem Angriff auf einen Armeestützpunkt bei Timbuktu fünf Soldaten getötet. Die malische Regierung beschuldigte eine "terroristische Gruppe", hinter dem Angriff auf den Stützpunkt im unruhigen Norden zu stecken. Zehn Soldaten seien verletzt worden. Minusma sprach von einem Terrorangriff, den die Uno-Mission scharf verurteilte. Es sei ein Hubschrauber zur Evakuierung der verwundeten Soldaten zur Verfügung gestellt worden, teilten die Vereinten Nationen mit.

Die französische Armee entsandte ein Anti-Terror-Kommando; dieses habe zehn der Angreifer "neutralisiert", teilte sie mit. Frankreich ließ offen, ob die Angreifer getötet oder verletzt worden seien. Das Kommando sei auf Bitten der malischen Armee entsandt worden.

Wer hinter dem Angriff stand, war zunächst unklar. Mali war durch einen Militärputsch im März 2012 ins Chaos gestürzt. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff im Januar 2013 militärisch ein, um das Vorrücken von Islamisten und Tuareg-Rebellen vom Norden in den Süden Malis zu stoppen und die geschwächten Regierungstruppen zu unterstützen.

max/dpa/AFP

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eunegin 19.04.2017
1. Bundeswehr - nur einsatzbereit bei 23 +/- 5 Grad.
Deutsche Armeen hatten ja schon immer ihre Klimaprobleme. Mit Sommerschuhen nach Russland (überraschend kühl) war ja auch sinnvoll. Den berühmten 2% könnte man sich ja schon mit vernünftiger Ausrüstung des Bestands annähern. Da muss kein Flugzeugträger her. Schon aus Personalfürsorgegründen wäre das ein Schritt.
echoanswer 19.04.2017
2. 43,26?
Ist bei der BW und den Rüstungsfritzen noch jemand klar im Kopf? Hierzulande werden Waffen für die Vitrine hergestellt. Milliarden teurer Schrott aus Steuergeldern finanziert um die Rüstungskonzerne reich zu machen. Auf dem Weltmarkt kann man funktionierende Waffen billig kaufen statt immer wieder Schund zu entwickeln.
fatherted98 19.04.2017
3. Logisch...
....Waffen und Material der BW wurden für Konflikte bzw. Verteidigung in Mitteleuropa entwickelt, gebaut und eingekauft. Das Deutschland seit dem Afghanistan Einsatz auf einmal mit Kampftruppen in der Weltgeschichte herumturnt (übrigens völlig sinn- und zwecklos)...damit hat ja keiner gerechnet. Man sollte sich endlich entscheiden...will man eine internationale Kampf- und Eingreifftruppe (naja...das ist wohl etwas übertrieben, da ja sogar die KSK Supertruppe von den Amis nur als Lagerwächter eingesetzt wurden)...oder will man eine Verteidungsarmee? Da wir ja...bestätigt durch Frau Merkel...selbst unsere Landesgrenzen nicht mehr verteidigen können....sollte man mal ganz schnell über solche Fragen nachdenken....aber mal ehrlich...wer soll das tun?
Pixopax 19.04.2017
4. Das Problem liegt hier: 43,26 grad
Regeln Reglen und noch mehr Regeln. Das hält die Bundeswehr am Boden und sorgt für so groteske Dinge wie der BER. Dieses Land ist stark überreguliert in alles Aspekten. Wir behindern uns damit zunehmend. Unsere persönliche Freiheten werden damit auch immer weiter eingeschränkt (siehe Drohnen-VO)
Affenjones 19.04.2017
5. Fatale Bürokratie
Wow, was ein Grenzwert: 43,26 Grad. Und wenn das hochofiziell geeichte deutsche Thermometer nun 43,27 Grad ermittelt? Muss dann den Soldaten im Feld leider die Luftunterstützung verwehrt bleiben? Bürokratie kann manchmal auch tödlich sein.
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