Bundeswehr in Mali "Die Menschen zu Hause wollen Erfolge sehen"

Die Bundeswehr ist seit 2013 in Mali - Resultate bleiben aus. Ministerin von der Leyen macht vor Ort klar, dass sie wenig Lust auf einen Endloseinsatz hat. Und plötzlich erfährt sie am eigenen Leib, wie gefährlich die Mission ist.
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und General Peter Mirow in Bamako

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und General Peter Mirow in Bamako

Foto: Michael Kappeler/ dpa

Auf dem Exerzierplatz der Europäer ist Mali ein ziemlich geordnetes Land. Ursula von der Leyen und ihre französische Kollegin, Verteidigungsministerin Florence Parly, sind für einen Tag in der Hauptstadt Bamako eingeflogen. Nun marschieren Offiziere der EU-Ausbildungsmission EUTM Mali bei gut 40 Grad im Schatten vor ihnen auf. Die kreischend schiefe Musik passt zum Klischee, so ist das halt in Afrika, scherzen die Soldaten.

Der Sinn des Spektakels ist schnell erzählt. Für die nächsten sieben Monate kommandiert die Bundeswehr die Ausbildungsmission für die malische Armee. Von einem Spanier bekommt der strammstehende General Peter Mirow die blaue EU-Flagge der Operation in die Hand gedrückt. Dann ziehen sich die Botschafter, diversen Militärs und internationalen Entwicklungshelfer zum Stehempfang in den Schatten zurück.

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Die Mission der Bundeswehr in Mali, sie macht in Deutschland nur wenig Schlagzeilen. Mit mehr als tausend Soldaten, rund 150 als Ausbilder, weitere 850 als Uno-Schutztruppe im brandgefährlichen Norden, ist es aber der größte deutsche Auslandseinsatz. Schon seit 2013 ist die Bundeswehr hier. Kurz davor hatten die Franzosen durch eine Blitzintervention verhindert, dass Islamisten das westafrikanische Land im Sturm überrennen.

Die Mission dümpelt vor sich hin

Von der Leyen hat eine ziemlich deutliche Nachricht mit nach Bamako gebracht. Sie und ihre Militärs beobachten den Einsatz in Westafrika zunehmend kritisch. Kurz gesprochen dümpelt die Mission vor sich hin. "Mission Creep" nennen die Amerikaner das. Trotz der vielen Soldaten, Milliardeninvestitionen in Training und Entwicklungshilfe tut sich einfach nichts. Stattdessen bleibt die Regierung passiv und verlässt sich auf die Hilfe aus dem Ausland.

Von der Leyen redet in Bamako nicht um den heißen Brei. Sie habe "sehr klar unsere Erwartung formuliert", sagt sie nach dem Treffen mit dem malischen Ministerpräsidenten Soumeylou Boubèye Maiga. Warum die Ungeduld? "Die Menschen zu Hause, sie wollen Erfolge, wollen Fortschritte in diesen Missionen sehen", droht die Ministerin. Viel deutlicher kann man auf dem Diplomatieparkett nicht poltern.

Die Gründe für die Unzufriedenheit sind vielfältig. Seit 2013 hatten die internationalen Unterstützer gehofft, die neue Regierung könnte mit einem Friedensvertrag die vielen konkurrierenden Stämme im Norden halbwegs einhegen und gerade die Tuareg von den Islamisten trennen. Der Vertrag von Algiers liegt auch seit 2015 vor, allerdings wurde er so gut wie nicht umgesetzt.

Es wird immer gefährlicher

Stattdessen ist Stillstand eingekehrt. Gleichzeitig machen sich kriminelle und auch terroristische Gruppen wieder in der riesigen Wüste rund um Gao und das sagenumwobene Timbuktu breit. Die Mission der deutschen Uno-Soldaten, eigentlich nur als Begleitung des Friedenspakts vor Ort, wird damit immer gefährlicher. Den Deutschen ist bisher nichts passiert, die Angriffe auf die "Minusma"-Truppe aber nehmen Woche für Woche zu.

Folglich zieht die internationale Gemeinschaft die Daumenschrauben an. Im Sommer 2019 muss das Mandat für die Uno-Mission erneuert werden. Von der Leyen gab ihren Gesprächspartnern zu verstehen, spätestens ein halbes Jahr vorher wolle man einen glaubhaften Plan sehen, wie Bamako den Friedensprozess auf den Weg bringen wolle. Aus der Delegation hieß es, die malische Regierung habe das Signal verstanden.

Doch auch die Bilanz der Ausbildungsmission ist nicht gerade berauschend. Auf der einen Seite sind da tolle Zahlen. 12.000 Soldaten hat die Mission schon trainiert, am Anfang in simplen Dingen wie Brückenbauen, dann auch in militärischen Feinheiten wie dem Schießen auf große Entfernung. Trotzdem aber gilt die malische Armee bis heute als wenig effektiv. Im Norden, wo sie am meisten gebraucht wird, sieht man sie selten.

Zahlreiche Mängel sind Berlin bekannt

Die vielen Mängel sind in Berlin bekannt. Der letzte deutsche Kommandeur, ein Oberstleutnant der Fallschirmjäger, formulierte vor gut anderthalb Monaten einen Abschlussbericht seiner Zeit in Mali. Das Papier hat die Bundeswehr lieber sofort in den Giftschrank geschlossen. Kurz gesagt führte er präzise militärisch aus, dass die deutsche Ausbildung in Mali eigentlich keinen Sinn mehr ergibt.

Was der Offizier bemängelte, ist die fehlende Nachhaltigkeit der malischen Armee. Zwar läuft die Ausbildung gut. Das lokale Verteidigungsministerium aber hat kein System, ja noch nicht mal eine Übersicht, wohin die Soldaten dann versetzt werden oder ob sie ihre Kenntnisse dort überhaupt einsetzen können. "Es ist ein bisschen, als ob sie Chinesisch studieren, dann aber grundsätzlich nicht in China eingesetzt werden", sagt ein Deutscher dazu lakonisch.

Ein Abzug allerdings ist weltpolitisch fast unmöglich. Schritt für Schritt hat Deutschland in Mali aufgestockt, um die Franzosen zu entlasten, als diese international gegen den "Islamischen Staat" (IS) aktiv wurden. Nun, da Berlin mit viel Mühe einen nichtständigen Sitz im Uno-Sicherheitsrat ergattert hat, kann man sich schlecht aus einer der brisantesten Friedensmission der Weltorganisation zurückziehen.

Wie gefährlich die Mission ist, erfuhr von der Leyen am Montagabend. Während sie mit Diplomaten und Helfern redete, beugten sich ihre Militärs über die Mobiltelefone. In Gao hatte es einen schweren Selbstmordanschlag gegeben. Zwar waren die Bundeswehr und ihr Lager offenbar nicht betroffen, richtig sicher aber war der Truppenbesuch im Norden plötzlich nicht mehr. Von der Leyens Besuch in Gao findet dennoch planmäßig statt.

planestream: Reportage über Truppentransport nach Mali

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