Mission gegen den IS Bundeswehr startet Abzug aus der Türkei

Die Bundeswehr startet nach SPIEGEL-Informationen heute den Abzug von der türkischen Basis Incirlik nach Jordanien. Zurück bleibt ein offener Dissens mit dem Nato-Partner Türkei.
"Tornado"-Basis im türkischen Incirlik

"Tornado"-Basis im türkischen Incirlik

Foto: REUTERS

Der Abzug der Bundeswehr aus der Türkei beginnt heute um die Mittagszeit: Nach SPIEGEL-Informationen werden dann zunächst die Tankflugzeuge der Luftwaffe vom türkischen Incirlik zum Ausweichstandort Jordanien fliegen und von dort operieren.

Schritt für Schritt werden danach auch die Überwachungsjets und die entsprechende Technik zur Auswertung der hochauflösenden Bilder der "Tornados" abgezogen. Dann ist der deutsche Einsatz für die Koalition gegen den IS von der Türkei aus Geschichte.

Die Bundeswehr hatte bisher rund 260 Soldaten auf der Basis in der Südtürkei stationiert. Von dort aus flogen deutsche "Tornados" und Airbus-Flugzeuge jeden Tag Überwachungs- und Auftank-Missionen für die internationale Koalition gegen den "Islamischen Staat" (IS).

Die "Tornados" sollen noch bis Ende Juli aus von der Türkei aus starten. Dann kehren sie für anderthalb Monate nach Deutschland zurück. Da die Jets regelmäßig geflogen werden müssen, will die Bundeswehr sie erst nach Jordanien bringen, wenn die Mission von dort richtig beginnen kann.

Der Abzug aus der Türkei ist die Folge eines beispiellosen deutsch-türkischen Streits: So verweigerte die Türkei Bundestagsabgeordneten mehrmals Besuche bei den deutschen Soldaten in Incirlik. Der Streit eskalierte im Frühjahr 2017, am Ende zog die Bundesregierung die Reißleine und beschloss, dass die Luftwaffe samt Gerät auf die Asrak-Basis in Jordanien umzieht.

Für die Militärs bedeutet der Umzug eine Unterbrechung des Einsatzes für die Koalition. Spätestens Mitte Oktober, so der Plan, sollen die "Tornados" aber wieder Bilder an das lose geschnürte und von den USA geführte Bündnis von mehr als 60 Staaten liefern.

Beim Umzug, der rund 200 Seecontainer mit Technik und Material umfasst, bekommt die Bundeswehr Hilfe von den USA. Abseits aller Spannungen zwischen Berlin und Washington sagte das Pentagon schnell zu, dass die riesigen C17-Transportjets der Air Force bei der Verlegung helfen.

Provisorische Unterkunft in Jordanien

Auf der Asrak-Basis erwartet die Bundeswehr zunächst eine eher provisorische Unterkunft. Bisher sind dort zwar Belgier, Holländer und Amerikaner stationiert, das Lager im Westen Jordaniens ist aber sehr viel kleiner als das Riesen-Camp in der Südtürkei.

Bis es in Jordanien richtig losgehen kann, müssen noch einige Formalien geklärt werden. So muss noch ein technisches Abkommen über die Stationierung geschlossen werden, auch ein entsprechender Stationierungsvertrag über den rechtlichen Status der Soldaten ist noch nicht ganz fertig.

Auch wenn Jordanien aus militärischer Sicht für den Einsatz geeignet ist, bleibt ein bitterer Beigeschmack. Dass ein Nato-Partner wie die Türkei den Abzug der Bundeswehr von einer gemeinsamen Operation für Machtspiele in Kauf nimmt, hätte so wohl niemand gedacht.

Die Verweigerung der Abgeordnetenbesuche war für die Türkei stets nur ein Vehikel für den Protest gegen andere politische Entscheidungen Berlins. Zunächst war es die Armenienresolution des Bundestags, dann zürnte Ankara darüber, dass Deutschland türkischen Militärs Asyl gewährte.

In Berlin hatte man lange geglaubt, dass die schiere Drohung des Abzugs für eine Versachlichung der Debatte reicht. Trotz Dutzender Telefonate und Treffen aber konnte die Bundesregierung die Türkei nicht überzeugen, die Besuche des Bundestags zu genehmigen.

Trotz des Umzugs bleiben weiter deutsche Soldaten in der Türkei im Einsatz. So fliegen vom türkischen Konya aus Nato-Radarflugzeuge vom Typ Awacs Einsätze über Syrien und dem Irak, ein Drittel der Besatzung stellt die Bundeswehr.

Für den zweiten Standort hatte Berlin mit der Türkei einen Kompromiss gefunden. Da es sich um einen Nato-Einsatz handelt, so die Linie, müsste Deutschland für Besuche von Abgeordneten keine offizielle Genehmigung bei der Türkei einholen. Mitte Juli wollen nun die ersten Politiker dorthin reisen.

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