Afrika-Mission in Mali Vereinte Nationen verschmähen alte Bundeswehrflieger

Verteidigungsministerin von der Leyen spricht gern über Bundeswehreinsätze unter dem Dach der Uno - jetzt aber haben die Vereinten Nationen in einem Fall deutsche Hilfe abgelehnt. Der Grund: Die deutschen Flugzeuge sind zu alt und nur bedingt einsatzbereit.
Die gute, alte Transall: Bundeswehrsoldaten in Afghanistan marschieren zu einer dieser Transportmaschinen

Die gute, alte Transall: Bundeswehrsoldaten in Afghanistan marschieren zu einer dieser Transportmaschinen

Foto: Michael Kappeler / dpa

Washington - Deutschland werde sich mehr engagieren bei Friedensmissionen der Weltgemeinschaft, hat Ursula von der Leyen (CDU) in den vergangenen Tagen auf USA-Besuch propagiert. Prompt muss die Befehlshaberin nun ausgerechnet bei einer Afrika-Mission der Bundeswehr für die Vereinten Nationen (Uno) eine empfindliche Schlappe einstecken.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE will die Führung der Uno-Friedenstruppe Minusma, die für Stabilität im Krisenherd Mali sorgen soll, die beiden von Deutschland für die Mission gestellten Flugzeuge vom Typ Transall nicht mehr benutzen, da diese bei großer Hitze oft am Boden bleiben müssen und nachts gar nicht fliegen können.

Statt der Transall, einem Propellerflugzeug, das für die Bundeswehr schon seit den Sechzigerjahren im Einsatz ist, will die Uno lieber modernere Mietmaschinen für den Transport von Truppen und Material nutzen.

Die Bundeswehr wurde von der Entscheidung ziemlich überrascht, die ihr das Uno-Sekretariat erst vor wenigen Tagen mitteilte. Auf einmal sind die Deutschen nur noch marginal an der Mali-Friedensmission beteiligt. Schon Ende Juni sollen die deutschen Flugzeuge vom Typ C-160 aus Dakar im Senegal in die Heimat zurückkehren. Danach werden nur noch einige Stabssoldaten die Uno-Mission unterstützen.

Die Uno lehnt dankend ab

Der Entscheidung, die beiden deutschen Flugzeuge nicht mehr benutzen zu wollen, waren viele Probleme mit den altersschwachen Transalls vorausgegangen. Zwar gilt der Flieger, auf den die Bundeswehr in Afghanistan angewiesen ist, als verlässlich und kann auch im Gelände ohne Betonpiste landen. Allerdings flogen die deutschen Transportmaschinen vor gut einem Jahr zum Start der Mission mit vielen strengen Bedingungen nach Afrika.

Wegen dieser "caveats", wie Militärs Einschränkungen für den Einsatz von Material und Soldaten nennen, mussten die Deutschen erst im Mai dieses Jahres die Rettung von verletzten afrikanischen Soldaten aus dem umkämpften Kidal ablehnen, da es langsam dunkel wurde. Ähnliche Nicht-Einsätze gab es auch vorher schon, ausgelastet waren die Flieger eigentlich nie. Bereits mehrmals hatte sich die Führung der Uno-Truppe in Berlin beschwert. Andere Flugzeuge aber konnten die Deutschen schlicht nicht anbieten.

Das trockene "Danke, aber nein danke" der Uno zeigt, wie weit Anspruch und Wirklichkeit im Von-der-Leyen-Ministerium auseinanderklaffen: Einerseits ist da die Politikerin mit Strahlkraft und Ambition, die auf ihrer Vier-Tages-Tour durch die USA nicht müde wird, mehr deutsche Beteiligung an internationalen Missionen zu verkünden, andererseits die schnöde Ausrüstungsrealität bei der Bundeswehr.

So sprach die CDU-Politikerin nach einem Gespräch mit dem stellvertretenen Uno-Generalsekretär Jan Eliasson in New York davon, Deutschland könne der Uno "technologische Fähigkeiten" wie eben den Lufttransport anbieten. "Wir haben Schlüsselkapazitäten und Fähigkeiten, die andere Nationen so nicht haben", sagte von der Leyen. Sie träumte gar, in Zukunft einmal die Führung einer großen Friedensmission der Uno zu übernehmen.

Die Flugzeuge der Luftwaffe sind älter als die Generäle

Tatsächlich aber verfügt gerade die Luftwaffe seit Jahren über eine fliegende Flotte, die älter ist als die ranghöchsten Generäle. Da die Auslieferung des schon vor Jahren bestellten Militärtransporter A400M sich immer weiter verzögerte und es bei dem Entwicklungsprojekt noch massive technische Probleme gibt, muss die Bundeswehr weiter mit den Transalls aus den Sechzigern auskommen.

Zwar will die Truppe die beiden Maschinen nun in Deutschland für die Uno weiter bereithalten. Mit einem erneuten Einsatz für Minusma aber rechnet in den Führungsstäben der Luftwaffe eigentlich niemand mehr. Im Ministerium wird der Vorfall hinter vorgehaltener Hand als "peinlich" beschrieben, man habe sich auf internationalem Parkett "lächerlich gemacht".

Die Transalls mögen ein krasser Einzelfall der Bundeswehr sein, was ihr Alter und die Grenzen ihrer Technik angehen. Doch die vielen Limits und Sperrklauseln gelten auch für viele andere Bereiche der Truppe, vor allem bei den spezialisierten Einheiten.

Vor weiteren Ankündigungen wie denen in New York und Washington sollte die Führungsebene im Bendlerblock vielleicht erst mal eine Bestandsaufnahme im eigenen Haus anleiern, was man eigentlich wirklich für neue Missionen der Bundeswehr für die Uno anbieten kann, um eine erneute Schlappe wie die bei der Mission Minusma zu vermeiden.

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