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Bundeswehr: Brisante "Patriot"-Mission in der Türkei

Foto: MURAD SEZER/ REUTERS

Bundeswehr in der Türkei Top-Militär soll "Patriot"-Streit schlichten

Die Bundeswehr müht sich im Streit mit der türkischen Armee um Schadensbegrenzung. Soldaten der deutschen "Patriot"-Mission hatten Schikane und desolate Unterbringung beklagt, die Gastgeber wiesen dies zurück. Nun reist der deutsche Vizebefehlshaber an, um die Lage zu beruhigen.

Berlin/Beirut - Die Bundeswehr bemüht sich, die Spannungen zwischen den deutschen und türkischen Soldaten beim "Patriot"-Einsatz in der Südtürkei zu deeskalieren. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE entsandte das Einsatzführungskommando in Potsdam deswegen diese Woche eigens den stellvertretenden Befehlshaber für alle Auslandseinsätze der Bundeswehr in die Türkei. Konteradmiral Rainer Brinkmann soll eine einvernehmliche Lösung für die durch einen Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus öffentlich gewordenen Streitigkeiten und Missstände finden. Dazu traf er sich am Donnerstag zu einem Vier-Augen-Gespräch mit dem zuständigen Divisionskommandeur der türkischen Armee.

In Bundeswehrkreisen hieß es, das Gespräch zwischen den beiden Top-Militärs habe zur Beruhigung der verfahrenen Lage zwischen den Nato-Partnern beigetragen. Beide Seiten seien nun bemüht, eine Eskalation der Situation und weitere öffentliche Vorwürfe zu vermeiden. Trotz des Eklats vor einer Woche sei das Gespräch in einer freundlichen Atmosphäre geführt worden, man sei nun um rasche Lösungen bemüht. Brinkmann flog nach seinen Treffen in der Türkei am Freitag zurück nach Deutschland und wird dort dem Chef des Einsatzführungskommandos Bericht erstatten. Auch der zuständige Verteidigungsausschuss des Bundestags wird sich für die Einschätzungen des Konteradmirals interessieren.

Beim Einsatz der deutschen "Patriot"-Raketenbatterien, welche die Nato-Nation Türkei im Auftrag der Allianz vor möglichen Raketenangriffen aus Syrien schützen sollen, hatte es seit Missionsbeginn im Januar offenkundig erhebliche Spannungen zwischen dem Gastgeber Türkei und den entsendeten Bundeswehrsoldaten gegeben. Die Einschätzung des Wehrbeauftragten Königshaus, der die deutschen Soldaten in einer türkischen Kaserne Ende Februar nahe der Stadt Kahramanmaras mehrere Tage besucht hatte, fiel dabei recht eindeutig aus: Die Kooperation mit der türkischen Seite werde bei der Bundeswehr "überwiegend als problematisch empfunden", schrieb er in seinem Bericht, der auch dem Parlament zuging.

Von einer freundlichen Partnerschaft der Soldaten konnte Königshaus vor Ort nicht viel hören. Vielmehr klagten die eingesetzten Soldaten in der Mehrzahl, die Türken würden sie keineswegs wie willkommene Gäste empfangen, obwohl sie von der türkischen Regierung eingeladen worden seien. Von den Bundeswehrsoldaten, so der Bericht, werde die türkische Seite als "wenig hilfreich" empfunden. So klagten sie, dass die von den Türken zur Verfügung gestellten Einrichtungen in einem sehr schlechten Zustand sein. Zudem gab es ausgerechnet anlässlich des Besuchs von Verteidigungsminister Thomas de Maizière in der Kaserne eine Rangelei zwischen einem türkischen General und einem weiblichen Feldjäger der Bundeswehr.

Der Bericht von Königshaus sorgte innerhalb von Stunden für einen Eklat zwischen Berlin und Ankara, auch in der türkischen Presse füllte das Thema schnell die Titelseiten. Kurz nach dem Erscheinen der ersten Beiträge über die Rangeleien in der Kaserne wies der türkische Generalstab die deutschen Vorwürfe dann recht schroff zurück.

Anlässlich des Ministerbesuchs habe es etwa keinen körperlichen Übergriff des für das Lager verantwortlichen türkischen Generals gegen einen weibliche Feldjäger der Bundeswehr gegeben. Demnach habe der General die deutsche Soldatin wegen der Sperrung eines Zufahrtswegs bei Ministerbesuchen Ende Februar lediglich gewarnt.

Königshaus hingegen glaubt weiter den Aussagen von Soldaten, die ihm von dem Vorfall berichteten und von einer regelrechten Rangelei sprachen, bei der die Soldatin sogar Prellungen davongetragen habe. In einem längeren Interview in der "Süddeutschen Zeitung" bekräftigte der Wehrbeauftragte am Freitag diese Darstellung. Mehrere Beteiligte, die versucht hätten, der Feldjägerin zur Hilfe zu kommen, könnten den Vorfall bezeugen, sagte der Wehrbeauftragte. Wer Königshaus, der sich beherzt für die Belange der Soldaten einsetzt, ein bisschen kennt, ahnt, dass er bei diesem Thema nicht so schnell Ruhe geben wird.

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