Bundeswehr in Afghanistan Niederländische Bomben beenden brenzlige KSK-Operation

Elitesoldaten des Kommando Spezialkräfte sind bei einer gemeinsamen Operation mit afghanischen Kräften wieder in ein schweres Gefecht geraten. Erst Luftunterstützung durch niederländische Kampfjets beendete den Beschuss. Der Zwischenfall gelangte nur über Umwege an die Öffentlichkeit.
KSK-Soldaten in Afghanistan: Unterstützung durch niederländische Jets

KSK-Soldaten in Afghanistan: Unterstützung durch niederländische Jets

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Berlin - Bei einer gemeinsamen Operation von deutschen Elitesoldaten des Kommando Spezialkräfte (KSK) und afghanischen Kräften in Nordafghanistan ist es erneut zu schweren Gefechten gekommen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE gerieten deutsche und afghanische Soldaten bereits am vergangenen Samstag unter Beschuss durch die Taliban. Die Deutschen begleiteten mehrere hundert afghanische Sicherheitskräfte bei einer Operation gegen Aufständische in der als Taliban-Hochburg bekannten Region Baghlan-e-Jadid.

Die Soldaten seien in ein schweres Gefecht mit Kämpfern der Taliban verwickelt worden. Laut einem hochrangigen Polizeioffizier wurde es so brenzlig, dass bei der Nato Luftunterstützung angefordert wurde. Wenig später kreisten niederländische F-16-Kampfjets über dem Areal und warfen nach Angaben der Niederländer zwei Bomben ab. Bei der Operation sind nach Angaben von örtlichen Offiziellen zwei afghanische Polizisten und mehrere Aufständische getötet worden.

Der Zwischenfall wurde nur über Umwege bekannt. Die Bundeswehr unterrichtete weder die Öffentlichkeit noch den Bundestag. Der Beschuss der deutsch-afghanischen Operation und auch der Bombenabwurf wurden lediglich durch eine Mitteilung der niederländischen Armee am Dienstagnachmittag öffentlich, die das Militär-Blog "Augen Geradeaus" zuerst meldete. Dort heißt es in der Wochenzusammenfassung der Operationen, F-16-Kampfjets hätten zwei Bomben abgeworfen, nachdem eine deutsch-afghanische Einheit "unter Feuer" geraten war. Nach dem Abwurf sei der Beschuss abgeebbt.

Verletzung der Informationspflicht

Die Bundeswehrsoldaten waren nach afghanischen Angaben nicht direkt in die Kämpfe involviert. "Die Deutschen unterstützten uns als Trainer, bei den Kämpfen kamen sie aber nicht zum Einsatz", sagte ein afghanischer Polizeioffizier. Das KSK trainiert in Baghlan eine Sondereinheit der afghanischen Polizei, dazu sind mehrere Dutzend KSK-Soldaten dort in einem Armeecamp stationiert.

Erst Mitte Juni hatte die Bundeswehr einen Außenposten, den sogenannten OP North, in der Region geräumt. In Baghlan war Anfang Mai ein deutscher Elitesoldat des KSK bei einer ähnlichen Operation mit afghanischen Kräften gefallen. Auch in diesem Fall hatte die Bundeswehr erst informiert, als das Nato-Hauptquartier über den Vorfall berichtet hatte. Am Mittwoch verschickte die Bundeswehr erst nach mehreren Medienanfragen eine abstrakte Mitteilung an die Abgeordneten aus dem Fachausschuss für Verteidigung. Die Beteiligung der Eliteeinheit KSK an dem Vorgang ist darin nicht erwähnt.

Grundsätzlich klassifiziert die Bundeswehr alle Operationen des KSK als geheim, nur ab und an berichtet der Verteidigungsminister den Obleuten des Verteidigungsausschusses in einem abhörsicheren Raum abstrakt über die Missionen der Kommandokräfte. Dieses Vorgehen wurde in der Vergangenheit immer wieder kritisiert. Auch jetzt gab es Beschwerden. "Auch wenn Thomas de Maizière gerade mit Selbstverteidigung beschäftigt ist, darf er die Informationspflicht gegenüber dem Parlament nicht verletzen", sagte der Verteidigungsexperte Omid Nouripour.

De Maizière steht aktuell in der Affäre um die Pleite beim Projekt der Aufklärungsdrohne "Euro Hawk" massiv unter Druck. Ende Juli muss er sich selbst den Fragen der Abgeordneten vor einem Untersuchungsausschuss stellen. Die ihm unterstellten Soldaten bereiten derzeit in Nordafghanistan den Abzug der Deutschen vor, bis Ende 2014 soll der Einsatz der internationalen Schutztruppe Isaf enden. Danach will die Nato und auch Deutschland die afghanische Armee mit Trainern unterstützen. Deutschland hat dazu ein Kontingent von 600 bis 800 Mann angeboten, die jedoch keinen Kampfauftrag mehr haben sollen.

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