Bundeswehrschüsse Deutschland zahlt Entschädigung für Tod von drei Afghanen

Die Hinterbliebenen der durch Bundeswehrsoldaten in Afghanistan getöteten Zivilisten haben von Deutschland eine Entschädigung erhalten - die Zahlung sei aber kein Schuldeingeständnis, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die afghanische Familie verzichtete auf die zuvor geschworene Blutrache.

Berlin - Über die Summe herrscht Stillschweigen, sicher ist aber, dass Geld gezahlt wurde: Deutschland hat den Hinterbliebenen der von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan erschossenen drei Zivilisten Geld gezahlt, um Blutrache zu verhindern. Das teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Mittwoch in Berlin mit.

Unter Vermittlung des zuständigen paschtunischen Stammesführers hätten Vertreter des deutschen Wiederaufbauteams im nordafghanischen Kunduz mit einem Bruder der getöteten Frau gesprochen. "Dabei wurde eine Verzeihung durch den Familienvertreter ausgesprochen", sagte der Sprecher. Dies sei nach den afghanischen Gebräuchen gleichbedeutend mit einem Verzicht auf Blutrache. Die Zahlung sei aber kein Eingeständnis, dass den deutschen Soldaten ein Vorwurf gemacht werden könne.

Bei dem Vorfall am vergangenen Donnerstag an einem mit afghanischen Polizisten und deutschen Isaf-Soldaten besetzten Kontrollpunkt bei Kunduz wurden eine Frau und zwei Kinder mit Schüssen getötet, nachdem ihr Fahrzeug trotz Warnungen einfach weitergefahren war. Die zuständige Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Vorfall. Zum Stand der Ermittlungen machte der Ministeriumssprecher keine Angaben.

Das Verteidigungsministerium bestätigte auch, dass der Kommandeur des Wiederaufbauteams (PRT) in Kunduz, Oberst Christian Meyer, abgelöst worden sei. Grund sei ein "gestörtes Vertrauensverhältnis" zu seinem Vorgesetzten, dem deutschen Isaf-Kommandeur für den Norden Afghanistans, Brigadegeneral Jürgen Weigt. Zu weiteren Einzelheiten äußerte sich der Sprecher nicht.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), der sich derzeit in Afghanistan aufhält, traf in Kabul mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai zusammen.

Das Verteidigungsministerium wies am Mittwoch Darstellungen des Bundeswehrverbandes zurück, bei dem Einsatz in Afghanistan handele es sich um Krieg. Dies sei "taktische Semantik", sagte ein Sprecher über die Darstellung des Verbandes. Bei dem Bundeswehr-Einsatz handele es sich vielmehr um ein "Krisenszenario", in dem auch gekämpft werden müsse.

hen/dpa/AFP/AP

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