Krawalle beim Präsidentenpalast Armee übernimmt die Macht in Burkina Faso

Er wollte die Verfassung von Burkina Faso ändern, um erneut Präsident zu werden. Doch das Volk wehrt sich gegen Blaise Compaorés Pläne: Demonstranten stürmten das Parlament und legten Feuer. Nun kündigt die Armee eine Übergangsregierung an.


Ouagadougou - Die Bürger von Burkina Faso sind wütend. Tausende Demonstranten haben am Donnerstag das Parlament in der Hauptstadt Ouagadougou gestürmt und in Brand gesetzt. Sie zogen zum Präsidentenpalast und besetzten den staatlichen Fernsehsender. Der Grund: eine geplante Verfassungsänderung, mit der Präsident Blaise Compaoré im kommenden Jahr für eine dritte Amtszeit hätte antreten können.

Was friedlich begann, ist am Donnerstag außer Kontrolle geraten: Gegen die aufgebrachte Menge vor dem Präsidentenpalast setzten Sicherheitskräfte Tränengas und Schusswaffen ein. Mehrere Menschen wurden verletzt. Als Demonstranten versuchten, das Haus von Compaorés Bruder zu stürmen, wurden drei Demonstranten erschossen. Das melden Rettungskräfte vor Ort.

Da die Situation immer weiter eskalierte, kündigten die Militärs am Abend die Bildung einer Übergangsregierung an, ohne auf die Rolle des bisherigen Staatschefs Blaise Compaore einzugehen. Armeechef Honore Traore sagte afrikanischen Medien zufolge in Ouagadougou, er erwartete eine Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung "innerhalb von zwölf Monaten".

Zufvor hatte der Präsident den Notstand ausgerufen. Wie Reuters unter Berufung auf einen regionalen Radiosender meldete, habe Compaoré außerdem die Opposition dazu aufgerufen, die Proteste zu beenden, und Gespräche angekündigt. "Ich löse die Regierung ab sofort auf, um Bedingungen für einen Wandel zu schaffen", wird Compaoré zitiert. "Ich verpflichte mich dazu, ab heute offen mit allen Beteiligten zu sprechen, um die Krise zu beenden."

Nach Regierungsangaben wurde die Gesetzesänderung inzwischen aufgegeben. Doch die Teilnehmer der Protestaktionen wollen nun mehr. Der Nachrichtenagentur Reuters sagten sie, sie wollten weiter demonstrieren, bis der Präsident zurücktrete.

Compaoré sagte am Donnerstagabend im Fernsehen, er werde an der Macht bleiben und an der Spitze einer Übergangsregierung stehen, bis Wahlen stattgefunden hätten: "Ich habe die Botschaft erhalten, ich habe sie verstanden, und ich erkenne den großen Wunsch nach Veränderung."

Streitkräfte gegen den Präsidenten

Compaoré kam 1987 durch einen Putsch an die Macht und hatte das Land lange fest im Griff. In den vergangenen Jahren ist aber die Kritik auch in den eigenen Reihen und bei den Streitkräften gewachsen. Nach Angaben der Opposition unterstützt die Armee des westafrikanischen Landes die aktuellen Proteste. Die Streitkräfte hätten sich "mit dem Volk verbündet", sagte einer der Protestanführer, Bénéwendé Sankara, der Nachrichtenagentur AFP.

Am Dienstag waren bereits Hunderttausende gegen den 63-jährigen Compaoré auf die Straße gegangen. Von den 17 Millionen Menschen in dem Land waren 60 Prozent noch nicht einmal geboren, als er erstmals Präsident wurde.

Fotostrecke

11  Bilder
Proteste in Burkina Faso: Chaos in Ouagadougou

vek/Reuters/AFP



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ratxi 30.10.2014
1. Schwierig
Kann ich verstehen, dass er weitermachen will, wie alle afrikanischen Machthaber das wollen. Nach 27 Jahren ist eine Umschulung auch schwierig, wenn man nichts kann...
georg schwarz 30.10.2014
2. Typisch
für alle Potentaten, auch in Afrika. Sie können von der Macht nicht lassen. Hoffentlich endet nicht alles in einer Miltärdiktatur mit dem nächsten Potentaten. Aber erstmal Rübe ab bei Campaore! Richtig so.
Hirnblaehung 30.10.2014
3.
Na da kann die Merkel ja froh sein das der Deutsche Michel sich alles gefallen lässt und nicht solche Demokratischen Zustände wie dort in Deutschland Herrschen :)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.