Aufstand in Burkina Faso Militärchefs streiten um die Macht

Die Armee verhalf den Protesten in Burkina Faso zum Erfolg - doch nun ist ein Machtkampf unter Militärs ausgebrochen. Sowohl der Vizechef der Präsidentengarde als auch der Armeechef beanspruchen das Amt des Übergangspräsidenten.
Isaac Yacouba Zida: Erklärung von Militärchef "unwirksam"

Isaac Yacouba Zida: Erklärung von Militärchef "unwirksam"

Foto: ISSOUF SANOGO/ AFP

Ouagadougou - Nach dem Rücktritt Blaise Compaorés als Staatschef von Burkina Faso ist unter den Militärführern des westafrikanischen Lands offenbar ein Machtkampf um das Amt des Übergangspräsidenten entbrannt. Der Vizechef der Präsidentengarde, Oberst Isaac Yacouba Zida, und Militärchef Honoré Traoré beanspruchten beide den Posten für sich. Die USA und die Europäische Union forderten am Freitag einen friedlichen und demokratischen Machtwechsel.

Zida stellte sich wenige Stunden nachdem Traoré am Freitag seinen Machtanspruch bekundet hatte gegen den Armeechef. In einer von einem privaten Fernsehsender übertragenen Ansprache sagte Zida, er werde als Übergangsstaatschef die "staatliche Kontinuität" wahren und in Zusammenarbeit mit den politischen Parteien und den Organisationen der Zivilgesellschaft für einen "ruhigen demokratischen Übergang" sorgen.

Wenig Rückhalt für Traoré

Die Erklärung, mit der Traoré das Präsidentenamt für sich beansprucht hatte, wies Zida als "unwirksam" zurück. Zida forderte die internationale Gemeinschaft und insbesondere die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (CEDEAO) auf, das burkinische Volk bei dieser "schweren Prüfung" zu unterstützen.

Zugleich erklärte er, dass der zurückgetretene Präsident Blaise Compaoré "an einem sicheren Ort" untergebracht sei. Die "Sicherheit" und das "Wohlergehen" Compaorés seien gewährleistet. Wie aus französischen Diplomatenkreisen in Paris verlautete, floh Compaoré aus der Hauptstadt Ouagadougou in den Süden des Landes.

Fotostrecke

Burkina Faso: Zehntausend Stimmen gegen den Präsidenten

Foto: JOE PENNEY/ REUTERS

Nach Massenprotesten gegen eine Verfassungsänderung zugunsten von Präsident Compaoré hatte am Donnerstagabend die Armee die Macht in Burkina Faso übernommen. Compaoré gab am Freitag nach 27 Jahren an der Macht seinen Rücktritt bekannt. Er war seit 1987 an der Macht gewesen.

Militärchef Honoré Traoré erklärte anschließend, er übernehme "gemäß der Verfassung" mit sofortiger Wirkung das Amt des Staatschefs. Traoré wird jedoch von großen Teilen der Bevölkerung und von der Opposition wegen seiner Nähe zum geschassten Präsidenten nicht akzeptiert.

Hollande fordert rasche Wahlen

Eine Gruppe junger Offiziere um Zida begehrte gegen Traoré auf und erklärte die Verfassung für "aufgehoben". In einer Mitteilung kündigte die Gruppe die Bildung eines Übergangsgremiums an, das die "schnellstmögliche" Wiederherstellung der Ordnung organisieren solle. In einer weiteren von Zida unterzeichneten Erklärung wurde zudem die Schließung der Landesgrenzen angeordnet.

Oppositionsführer Benewende Sankara bezeichnete Traorés Vorgehen als "Umsturz". Ein weiterer Oppositionsführer, Zephirin Diabre, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er hoffe auf eine Einigung unter den beiden konkurrierenden Armee-Fraktionen. Zida scheint dabei mehr Rückhalt in der Zivilgesellschaft zu genießen.

"Wir verurteilen entschieden jeden Versuch der Machtergreifung auf einem nicht verfassungsmäßigen Weg", teilte die US-Regierung in Washington mit. Der diplomatische Dienst der EU in Brüssel erklärte ebenfalls, die Verfassung des Landes müsse respektiert werden. Frankreichs Präsident François Hollande begrüßte Compaorés Rücktritt und erklärte, nun sei es möglich, "einen Ausweg aus der Krise zu finden". Zugleich forderte Hollande "die schnelle Abhaltung demokratischer Wahlen".

Die Proteste gegen Compaoré waren am Donnerstag eskaliert. Aufgebrachte Demonstranten hatten das Parlament gestürmt und in Brand gesteckt und so die Abstimmung über eine Verfassungsänderung verhindert, die Compaoré eine weitere Amtszeit ermöglicht hätte. Bei den Unruhen wurden mindestens dreißig Menschen getötet, etwa hundert weitere wurde verletzt. Am Freitag war die Lage in der Hauptstadt weiter angespannt, es kam zu Plünderungen im Regierungsviertel. Die Polizei schritt zunächst nicht ein.

Compaoré war 1987 im Alter von 36 Jahren durch einen Putsch gegen seinen langjährigen Weggefährten Thomas Sankara an die Macht gekommen. Der Sozialist Sankara, der im Zuge der Revolte getötet wurde, wird bis heute von vielen Burkinern verehrt. Compaoré ließ sich seit 1991 viermal bei Wahlen im Amt bestätigen. Dazu ließ er bereits einmal die Verfassung ändern.

bim/AFP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.