Putsch in Burkina Faso Präsident Compaoré will abtreten - aber noch nicht sofort

Den Putsch durch das Militär will er nicht akzeptieren - aber sein Abgang scheint besiegelt: Burkina Fasos Präsident Compaoré zieht die geplante Verfassungsänderung zurück und will einem geordneten Machtwechsel nicht im Wege stehen.


Berlin/Ouagadougou - Trotz blutiger Unruhen hat der Präsident von Burkina Faso, Blaise Compaoré, einen sofortigen Rücktritt abgelehnt. Zugleich kündigte er in einer vom Radiosender Omega verbreiteten Rede an die Nation jedoch an, von einer geplanten Verfassungsänderung abzusehen. Nach dieser hätte er eine weitere Amtszeit anstreben können. Gleichzeitig erklärte Compaoré, er werde einem geordneten Übergang und demokratischen Wahlen nicht im Wege stehen. Der 63-Jährige ist seit 1987 an der Macht in dem westafrikanischen Staat.

Zuvor hatte die Armee nach gewaltsamen Protesten die Regierung für abgesetzt und das Parlament für aufgelöst erklärt. Die Opposition sprach von 30 Toten bei den Protesten.

Compaoré hob ferner den am Donnerstag ausgerufenen Ausnahmezustand wieder auf. In der Rede an die Nation bestätigte er zugleich die Auflösung des Parlaments. Diese Schritte sollten den Weg in eine Übergangsphase erleichtern, an deren Ende er die Macht an einen demokratisch gewählten Präsidenten übergeben wolle, hieß es. Compaoré sagte in seiner Ansprache mit Verweis auf die Proteste gegen eine weitere Amtszeit, er habe die "Botschaft" verstanden.

In der Hauptstadt Ouagadougou waren zuvor erneut Tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen eine Wiederwahl Compaorés zu protestieren. Dabei kam es zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei.

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Proteste in Burkina Faso: Chaos in Ouagadougou
Mit der Verfassungsänderung wollte sich der frühere Offizier Compaoré nach 27 Jahren an der Macht eine weitere Amtszeit sichern. Er hatte sich einst selbst ins höchste Staatsamt geputscht. Am Donnerstag dann schlug der Protest in Gewalt um, als aufgebrachte Demonstranten das Parlament stürmten und dort Feuer legten. Daraufhin sagte die Regierung das für die Verfassungsänderung geplante Votum im Parlament ab. Auch der Sitz des nationalen Rundfunksenders RTB wurde geplündert und verwüstet.

Am Abend dann teilte das Militär bei einer Pressekonferenz mit, bis zur Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung "binnen zwölf Monaten" werde ein Übergangsgremium die Regierungsmacht übernehmen. Die Armee verhängte außerdem eine Ausgangssperre von 19 Uhr bis 6 Uhr. In der Hauptstadt Ouagadougou wurde sie weitgehend eingehalten, wie AFP-Reporter berichteten.

Wer das westafrikanische Land am Donnerstagabend regierte, darüber herrschte weitgehend Unklarheit. Viele Demonstranten lehnten auch die Machtübernahme durch das Militär ab. Oppositionsführer Bénéwendé Sankara sagte außerdem der Nachrichtenagentur AFP, der Rücktritt des Präsidenten sei "nicht verhandelbar". Compaoré habe sein Volk "27 Jahre lang übers Ohr gehauen" und tue es nun weiter, sagte er.

Die USA stellten sich hingegen an die Seite des Staatschefs und äußerten ihre Hoffnung auf einen friedlichen Machtwechsel. Washington begrüße, dass Compaoré die geplante Verfassungsänderung gekippt und sich stattdessen für die Bildung einer "Einheitsregierung zur Vorbereitung von Wahlen" entschieden habe, erklärte das Außenamt. Die USA bedauerten zudem die Opfer im Zuge der Proteste.

flo/dpa/AFP

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schwabenbayer 31.10.2014
1. Von wegen USA = demokratieförderer ?
Die USA stellen sich statt auf die Seite der leidenden Bevölkerung auf die Seite des Diktators der geputscht an die Macht kam und schon 27 Jahre herrscht. Aber er vertritt ja auch eher die Interessen der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich und des Westens statt sein Land zu entwickeln. Wieder ein Beispiel für die Doppelmoral der USA. Eigene wirtschaftliche Interessen gehen vor Freiheit,Demokratie und Menschenrechte nach dem Motto Wasser predigen aber Wein trinken!
kpb 31.10.2014
2. Endlich steht das Volk von Burkina Faso auf
Compaore ist nicht nur ein korrupter Putschist,sondern ein Mörder. 1987 hat er mit Hilfe der USA seinen Freund, den populären Staatspräsidenten Sankara ermorden lassen. Die USA unterstützt eben gern Verbrecher!
Beccaria 31.10.2014
3. Was kommt danach ??
Es ist ja vieles richtig, was kpb und andere sagen, aber Burkina war ein Hort der Stabilität in Westafrika, man konnte Abends sicher durch Ouaga gehen, in keiner anderen Kapitale ist das möglich !! Und auch der Nachfolgeregierung bleiben die wirtschaftlichen Probleme . Hoher Bevölkerungsdruck und magere Produktivität
kuschl 31.10.2014
4. Überall in Afrika
Bis auf die Gebiete des Sahelgürtels könnte Afrika seine Bevölkerung ernähren, wenn nicht an die Macht geputschte oder durch Wahlbeeinflussung oder Fälschung regierende Potentaten diese Länder ausbeuten würden. Jahrzehnte floss hier Entwicklungshilfe überwiegend direkt in die Taschen der herrschenden Clans. Diese sind es auch, die die Ressourcen ihrer Länder an ausländische Investoren verscherbeln, das hat mit Kolonialismus schon lange nichts mehr zu tun.
osnase92 31.10.2014
5.
Der Mann möchte die Macht übergeben, er will nicht wie Gaddafi etc enden, dann lasst ihn sein Vorhaben durchziehen, für einen afrikanischen Präsidenten ist die Handlung vorbildlich!
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