Staatsstreich in Ouagadougou Putschisten in Burkina Faso wollen offenbar aufgeben

Gibt es eine Wende in Burkina Faso? Nach der Machtergreifung durch die Präsidentengarde hat Putschisten-Führer Diendéré angekündigt, die Macht wieder abzugeben. Das Militär war bereits auf dem Weg in die Hauptstadt.

Putschisten auf Militärfahrzeug in Ouagadougou
REUTERS

Putschisten auf Militärfahrzeug in Ouagadougou


Der Anführer der Putschisten in Burkina Faso, General Gilbert Diendéré, hat aufgegeben. In einer Erklärung im staatlichen Fernsehen bat er das Land und die internationale Gemeinschaft am Montagabend um Entschuldigung. Er wolle dem am Sonntag vorgeschlagenen Friedensplan folgeleisten und die Macht an eine zivile Regierung abgeben, zitierte ihn die Nachrichtenseite LeFaso.net.

Die Streitkräfte Burkina Fasos hatten bereits Truppen in Bewegung gesetzt, um die Putschisten festzusetzen. Generalstabschef Pingrenoma Zagre forderte die Anführer des Staatsstreichs auf, ihre Waffen niederzulegen. Es solle kein Blut vergossen werden. Die Armee werde die Sicherheit aller Putschisten gewährleisten, die diesem Aufruf folgten, hieß es: "Wir erwarten, dass sie (die Putschisten) ihre Waffen niederlegen und ins Camp 'Sangoule Lamizana' zurückkehren."

Die Putschisten der Präsidentengarde, die aus Soldaten der Elitetruppe RSP besteht, hatten am vergangenen Mittwoch eine Kabinettssitzung im Präsidentenpalast in Ouagadougou gestürmt. Dabei hatten sie Übergangspräsident Michel Kafando und mehrere Regierungsmitglieder festgenommen. Am Freitag wurden Kafando und zwei seiner Minister auf internationalen Druck freigelassen.

Die Lage blieb am Montagabend zunächst unübersichtlich. Es erschien aber wahrscheinlich, dass Kämpfe zwischen den Putschisten der Präsidentengarde und den regulären Streitkräften in den Straßen der Hauptstadt Ouagadougou vermieden werden konnten.

Der Präsident der früheren Kolonialmacht Frankreich, Francois Hollande, hatte ebenfalls an die Putschisten appeliert, ihre Waffen niederzulegen und die Macht wieder abzugeben.

Coup-Führer Diendéré ist ein enger Vertrauter des gestürzten Präsidenten Blaise Compaoré. Dieser war im Oktober 2014 nach 27 Jahren an der Macht gezwungen worden, zurückzutreten und ins Exil zu gehen.

Seit dem Putsch im westafrikanischen Burkina Faso sind inzwischen mindestens zehn Menschen bei gewaltsamen Auseinandersetzungen getötet worden. 113 Menschen wurden nach Krankenhausangaben vom Wochenende verletzt. Bisher sollten am 11. Oktober Präsidenten- und Parlamentswahlen stattfinden. Als neues Datum kursiert nun der 8. November.

amt/dpa/AP



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