Burma-Flüchtlinge im Porträt Gesichter der Unterdrückung

Mit brutaler Härte regiert die Militärjunta in Burma, Millionen Menschen fliehen vor der Unterdrückung ins Ausland. Porträtfotos für Human Rights Watch zeigen das Leid von Minenopfern und Kindersoldaten - doch sie dokumentieren auch den Stolz des Widerstands.

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Der Junge will nicht erkannt werden. Sein Name? Unwichtig. Er versteckt sein Gesicht hinter den verschränkten Armen, nur die Augen schauen schüchtern hervor. Dann erzählt er gemeinsam mit seiner Betreuerin: Wie er vor seinem gewalttätigen Stiefvater geflohen ist, wie er von Soldaten auf der Straße aufgelesen wurde, wie sie ihn für die Armee rekrutierten, wie er ein Kindersoldat wurde.

Sie hätten ihn damals vor die Wahl gestellt, berichtet die Betreuerin: Gefängnis oder Militär. Eine Schule habe er nie besucht, sagt der Junge. Im Camp der Armee habe er keinen Unterricht bekommen - nur militärisches Training. Er konnte fliehen, nach Thailand, nur deshalb kann er heute seine Geschichte erzählen.

Es ist eine Geschichte der Unterdrückung und der Flucht aus der Heimat, wie sie Millionen Burmesen erleben. Burma leidet seit fast fünfzig Jahren unter der Diktatur des Militärs. Friedliche Protestbewegungen wie 1988 oder 2007 der Aufstand der buddhistischen Mönche wurden niedergeknüppelt. Immer wieder kommt es zu Kämpfen zwischen der Armee und Rebellengruppen.

Millionen politische Verfolgte, Angehörige von Minderheiten und Künstler fliehen ins Ausland. Nach Thailand. Nach Malaysia. Oder nach Bangladesch - doch auch dort sind sie oftmals nicht willkommen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat nun einige der Exil-Burmesen im thailändischen Grenzort Mae Sot getroffen - darunter der frühere Kindersoldat. Im Auftrag der Organisation machte der renommierte Fotograf Platon Porträtaufnahmen der Flüchtlinge. Mönche wurden abgebildet, HIV-infizierte Kinder, Opfer von Landminen.

Die Bilder erzählen vom Leid der Bevölkerung Burmas: Im Gesicht von Aung Myo Thein spiegelt sich der Schmerz, er saß über sechs Jahre im Gefängnis, bei der Flucht nach Thailand musste er 2007 seinen damals dreijährigen Sohn zurücklassen. Er hat ihn seitdem nicht gesehen.

Die Bilder erzählen aber auch von der Hoffnung der Exil-Burmesen. Sie zeigen Reporterinnen des Senders Democratic Voice of Burma, die trotz aller Gefahren über die Vorgänge in dem Land berichten. Und sie zeigen Win Min, der aus Burma floh, in Harvard studierte und weiter an den Wandel in seiner Heimat glaubt. "Es ist nur eine Frage der Zeit", sagt er.

37 Parteien, 3000 Kandidaten, kaum Aussicht auf Veränderung

In Burma deutet jedoch wenig auf Besserung hin. Am 7. November sollen zwar zum ersten Mal seit 20 Jahren Wahlen stattfinden. Internationale Beobachter sprechen jedoch eher von einer Farce statt von echter Demokratie. Die unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi darf nicht kandidieren, ihre Partei NLD wurde aufgelöst - sie hatte sich geweigert, Suu Kyi auszuschließen.

Die bislang letzte Wahl 1990 hatte die NLD gewonnen, doch die Militärjunta ignorierte das Ergebnis und ließ es in diesem Jahr kurzerhand annullieren. Vor der Wahl wollen die Generäle keine ausländischen Beobachter nach Burma einreisen lassen. Nur am Wahltag sei es im Land lebenden Diplomaten und Uno-Vertretern gestattet, den Wahlgang zu beobachten, teilte die Wahlkommission mit. Ausländische Journalisten sollen überhaupt nicht zugelassen werden.

Zur Wahl stehen 37 Parteien und mehr als 3000 Kandidaten. Die militärnahe "National Unity" hat die Aufstellung von 990 Personen angekündigt. Die vom Militär gegründete Partei "Union Solidarity and Development" will sogar 1163 Kandidaten ins Rennen schicken. Die Junta behält sich zudem ein Viertel der Sitze im Parlament sowie die Schlüsselpositionen in der Regierung vor. In dieser Konstellation ist mit entscheidenden Veränderungen wohl kaum zu rechnen - unabhängig davon, wie die Wähler entscheiden.



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heth13 20.10.2010
1. Merkwürdig stille Freie Welt
Zitat von sysopMit brutaler Härte regiert die Militärjunta in Burma, Millionen Menschen fliehen vor der Unterdrückung ins Ausland. Porträtfotos für Human Rights Watch zeigen das Leid von*Minenopfern*und Kindersoldaten - doch sie dokumentieren auch den Stolz des Widerstands. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,724070,00.html
Merkwürdig still verhält sich die Freie Welt in Sachen Menschenrechte in Burma oder auch China: Seit Jahren lebt Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi vom Regime weggesperrt ebenso wie ihr chinesischer Leidensgenosse Liu Xiaobo. Während hierzulande wie aktuell in Stuttgart verbissen um jeden Baum gekämpft wird und locker mal so 30 Millionen Euro für Krötentunnel geopfert werden, scheint sich die grün-alternative Gutmenschenkultur einen Dreck zu scheren um die Grundrechte von knapp 1,5 Mrd Menschen in China und deren Satelliten Nordkorea und Burma. Stolz war ich auf uns in den späten 80er Jahre im Kampf um die Freiheit für Nelson Mandela! Stolz über den Boykott des brutalen Regimes in Pretoria. In den Boden versinken vor Scham möchte ich heute über die Feigheit und Verlogenheit meiner ganzen Generation der es wohl nie um Freiheit und Gerechtigkeit gegangen ist ...
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