Burma Militärjunta startet Charmeoffensive

Spenden an die Mönche, Lob für die Opposition, Freilassung vieler Häftlinge: Die Junta in Burma versucht, ihr miserables Image aufzupolieren. Dennoch berät der Uno-Sicherheitsrat heute über neue Sanktionen gegen die Militär-Regierung.


Rangun/Tokio - Regierungsnahe Medien sprechen von einer "Versöhnungsgeste an die Mönche": Die Zeitung "New Light of Myanmar" berichtete, ein Mitglied des Verteidigungsministers habe rund 8000 Dollar sowie Reis, Öl, und Medikamente an mehr als 50 Klöster verteilen lassen. Die Spenden seien im Auftrag von Militärangehörigen und deren Familien erbracht und von den Mönchen angenommen worden.

Uno-Abgesandter Gambari mit Burmas Generälen: Die Junta steht unter Druck
REUTERS

Uno-Abgesandter Gambari mit Burmas Generälen: Die Junta steht unter Druck

Ende September waren von den Mönchen angeführt rund 100.000 Menschen auf die Straßen von Rangun gegangen. Bei der blutigen Niederschlagung der Demonstrationen durch die Militärjunta wurden mindestens 13 Menschen getötet und mehr als 2100 festgenommen.

Am Wochenende hatte die Junta die Freilassung von mehr als 2171 Festgenommenen verkündet. Dabei unterstrich sie, dass auch fast 400 der 533 festgenommenen Mönche "in ihre Klöster zurückgeschickt" worden seien.

Die Militärjunta benannte überdies einen Vertreter, der Kontakt zur Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi halten soll. Wie das Staatsfernsehen heute berichtete, beauftragte Junta-Chef Than Shwe Vize-Arbeitsminister Aung Kyi damit, den Austausch mit Suu Kyi fortzusetzen. In dem Fernsehbericht wurde Suu Kyi mit einer besonders ehrenhaften Anrede erwähnt.

Oppositionsführerin Suu Kyi wird umgarnt

Die 62-jährige Kämpferin für Demokratie stand die meiste Zeit der vergangenen 18 Jahre unter Hausarrest. Am vergangenen Freitag zeigte das burmesische Staatsfernsehen erstmals seit Jahren Bilder der Friedensnobelpreisträgerin mit dem Sondergesandten der Vereinten Nationen, Ibrahim Gambari. Gambari zufolge hofft Suu Kyi, dass die tagelangen Proteste der Beginn eines Dialogs zwischen der Militärregierung und der Opposition in Burma sein könnten.

Offensichtlich versucht das Regime mit diesen Maßnahmen, den internationalen Druck zu verringern. Nichtsdestotrotz berät der Uno-Sicherheitsrat heute über eine Verurteilung des burmesischen Militärregimes. Die nicht-bindende Erklärung wurde von den USA, Großbritannien und Frankreich konzipiert und verurteilt die "gewalttätige Niederschlagung der friedlichen Proteste". Zudem drängt der Text die Militärregierung dazu, die "repressiven Maßnahmen zu beenden" und Häftlinge sowie politische Gefangene freizulassen, darunter auch die Oppositionsführerin Suu Kyi. Diplomaten gehen jedoch davon aus, dass die Erklärung durch China, Russland und möglicherweise auch Indonesien noch abgeschwächt wird.

Japanischer Journalist in Tokio beigesetzt

Unterdessen ist der in Burma erschossene japanische Video-Journalist Kenji Nagai im Beisein von etwa 1000 Trauernden in Tokio bestattet worden. Neben seinen Eltern, Kollegen und Bekannten gedachten laut Medien auch mehr als 70 burmesische Flüchtlinge sowie Vertreter der burmesischen Botschaft in Tokio des 50-Jährigen. Der Journalist war während der gewaltsamen Niederschlagung der friedlichen Proteste in Rangun von einem Sicherheitsbeamten getötet worden.

"Herr Nagai zeigte uns durch sein Beispiel, dass wir selbst an gefährliche Plätze gehen müssen", zitierte die Nachrichtenagentur Kyodo Toru Yamaji, Chef des Video-Nachrichtendienstes APF News, für den Nagai tätig war.

Nagais Leiche war am Donnerstag via Bangkok nach Japan gebracht worden. Die Polizei ließ zunächst in einem Krankenhaus in Tokio eine Autopsie vornehmen, um die Todesursache zu untersuchen. Nagai soll Medienberichten zufolge aus weniger als einem Meter Entfernung erschossen worden sein. Die Autopsie habe erbracht, dass Nagai einem Blutverlust erlag, nachdem eine Kugel von hinten in seinen Körper eingedrungen und seinen Magenbereich getroffen habe.

flo/dpa/AFP

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