Burma Militärjunta verhaftet die "Lady"

Die Militärjunta hat wieder zugeschlagen: Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi wurde festgesetzt. Die Hoffnung, die Generäle in Rangun seien zu politischen Reformen bereit, schwindet.


Die Generäle schwenkten wieder auf einen harten Kurs um: Aung San Suu Kyi ist in "Schutzhaft"
AFP

Die Generäle schwenkten wieder auf einen harten Kurs um: Aung San Suu Kyi ist in "Schutzhaft"

Burma - Die politischen Spannungen in Burma (Myanmar) wachsen, nachdem die Militärjunta die populäre Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, 57, am vorigen Freitag festgesetzt hat. Die Regierung hat am Wochenende alle Oberschulen und Universitäten auf unbestimmte Zeit dicht gemacht.

Damit wollen die Generäle offenkundig Proteste von Schülern und Studenten verhindern. Die Parteibüros von Aung San Suu Kys "Liga für Demokratie" (NLD) mussten ebenfalls ihre Pforten schließen. Mehrere Oppositionspolitiker wurden unter Hausarrest gestellt. Vor ihren Wohnungen sind Polizisten aufgezogen.

Das NLD-Hauptquartier in Rangun, berichten Augenzeugen, wurde "verrammelt und mit einem Schloss gesichert". Sonst sei die Stadt "vollkommen ruhig". Es seien nicht mehr Polizisten und Militärs als sonst auf den Straßen zu sehen.

Der Versuch, zwischen den Generälen und der charismatischen Friedensnobelpreisträgerin von 1990 zu vermitteln, scheint vorerst gescheitert - obwohl Uno-Generalsekretär Kofi Annan inzwischen erneut zur "nationalen Aussöhnung" aufrief.

Aung San Suu Kyi wurde in der Kleinstadt Yaway Oo, 560 Kilometer nördlich von Rangun, festgenommen. Sie ist inzwischen in die Hauptstadt zurücktransportiert worden. Sie soll in einem Gästehaus des Militärs eingesperrt sein. Großbritannien, Schweden und Frankreich haben inzwischen gefordert, sie sofort freizulassen.

Vorausgegangen waren, wie es heißt, Schlägereien zwischen Anhängern der Oppositionsführerin und von der Regierung in Marsch gesetzten Gegendemonstranten. Dabei kamen nach offiziellen Angaben vier Menschen ums Leben, über 50 wurden verletzt.

Die Festnahme von Aung San Suu Kys und 19 NLD-Mitgliedern sei als "Schutzhaft" zu verstehen, erklärte die Junta. Es gehört zur gängigen Praxis der Militärs, Veranstaltungen der NLD mit Hilfe von Schlägern zu stören und Anhänger einzuschüchtern.

Aung San Suu Kyi war erst im Herbst letzten Jahres aus langem Hausarrest entlassen worden. Gleichzeitig hatten die Militärs für viele Mitglieder ihrer Partei die Kerkertüren geöffnet. Die Junta versprach auch, mit der NLD zu reden, die nun ihre Büros wieder in Betrieb nehmen durfte. Die Friedensnobelpreisträgerin durfte wieder im Lande reisen. Diese Entwicklung nährte die Hoffnung, dass die Junta zu politischen Reformen bereit sei.

Doch die Gespräche kamen, wie sich schnell herausstellte, nicht vom Fleck. Im April dieses Jahres forderte Aung San Suu Kyi die Militärs auf, sie sollten den Worten endlich Taten folgen lassen.

Erstes Zeichen, dass die Generäle wieder auf einen harten Kurs umschwenkten, war die Weigerung, den malaysischen Uno-Beauftragten Razali einreisen zu lassen.

Das Hin und Her weist auf interne Differenzen innerhalb der Junta hin. Jüngere Offiziere sollen, wie es in Rangun heißt, für eine vorsichtige Öffnung des Landes und für den Dialog mit der "Lady" plädieren, wie Aung San Suu Kyi von der Bevölkerung genannt wird. Nur dann könne die Macht der Militärs langfristig bewahrt bleiben. Dagegen steht der "Sekretär Nr.1", General Tan Shwe, ein verknöcherter Militär, von dem es heißt, in seiner Gegenwart dürfe der Name der Oppositionführerin nicht einmal erwähnt werden.

Offenbar hatte die Junta gehofft, die Popularität ihrer mächtigsten Gegnerin sei nach langem Hausarrest geschwunden. Sie war nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1988 zur Symbolfigur des Widerstands geworden. Ihre NLD gewann 1990 mit klarem Vorsprung die Wahlen, doch die Generäle verhinderten den Machtwechsel. Bei ihren jüngsten Reisen im Land zeigte sich jedoch, dass die Politikerin weiterhin beliebt ist.



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