Burma Militärjunta verlangt für Dissidentenjagd Einblick in Uno-Computer

Mit allen Mitteln will die Junta in Burma Regimekritikern auf die Spur kommen: Einem Zeitungsbericht zufolge haben Sicherheitskräfte ein Uno-Büro in Rangun aufgesucht - um Computerdaten über Dissidenten sicherzustellen.


Hamburg - Die burmesischen Polizisten und Diplomaten kamen mit einem klaren Anliegen: Die Vertreter der Militärjunta wollten die Festplatten von Computern der Vereinten Nationen, als sie am Wochenende in die Uno-Büros in Rangun kamen, berichtet die "Times" heute. "Sie kamen und fragten uns nach den Festplatten unserer Computer", sagte ein Uno-Vertreter der Zeitung.

Die Uno-Beschäftigten verweigerten die Herausgabe des Materials, waren dem Bericht zufolge am Wochenende allerdings damit beschäftigt, viele Informationen zu löschen, damit sie in keinem Fall in die Hände der Militärjunta fallen können.

Die Daten sind heikel: Sie könnten der Militärjunta wichtige Informationen liefern, um den führenden Köpfen der Proteste gegen das Regime auf die Spur zu kommen. In den vergangenen Wochen hatten Blogger per E-Mail Fotos von der Situation in dem Land verschickt. Selbst als das Militärregime den Zugang zum Internet gekappt hatte, kursierten Bilder. Zwar laufen die Computer in dem Land über staatlich kontrollierte Server, vielen Regimekritikern war es aber gelungen, die staatliche Kontrolle zu durchbrechen und ihre Informationen über Proxy-Server unentdeckt abzusetzen.

Die Uno-Beschäftigten verwiesen die Vertreter der Militärjunta an Charles Petrie, Uno-Menschenrechtskoordinator in Burma. Die Militärjunta solle ihr Anliegen per Brief an Petrie formulieren. Als wenig später ein Brief der Militärmachthaber eintraf, war keine Rede mehr von den Computerfestplatten. Die Militärjunta forderte nur noch Einblick in die Lizenzen für die mobile Telefonanlage der Uno in Rangun.

Die Militärjunta erhöhte am Wochenende auch weiter den Druck auf die buddhistischen Mönche des Landes, die im Mittelpunkt des Protestes gegen das Regime stehen. Bei Razzien in Klöstern seien Schusswaffen, Messer und Munition gefunden worden, berichtete die staatliche Zeitung "New Light of Myanmar". Auch Mönche müssten sich den "Gesetzen Gottes und der Regierung" unterwerfen. Wenn sie gegen die Gesetze verstoßen sollten, drohten auch ihnen Konsequenzen.

Am Wochenende seien 78 Menschen festgenommen worden, hieß es in der Zeitung weiter. Damit sitzen nach Angaben der Regierung rund 1000 Menschen in Haft, darunter mindestens 135 Mönche. Die staatlichen Medien berichteten gestern ferner, im ganzen Land hätten Tausende Menschen für die Junta demonstriert und sich von den pro-demokratischen Protesten distanziert. Beobachtern zufolge werden solche Veranstaltungen in der Regel von den Behörden inszeniert, und jede Familie muss ein oder zwei Mitglieder mitmarschieren lassen.

hen/AP



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