Burma Polizisten riegeln Gericht vor Prozess gegen Suu Kyi ab

Stacheldraht und Polizisten in Kampfanzügen: In Burma hat der Prozess gegen Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi begonnen. Sicherheitskräfte sperrten das Gebäude weiträumig ab. Westliche Diplomaten dürfen das Verfahren nicht beobachten.


Rangun - Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi steht wieder vor Gericht. Ihr drohen fünf Jahre Haft, weil die Militärjunta ihr Verletzung der Auflagen ihres Hausarrests vorwirft. Mehrere hundert Polizisten bewachen das Gefängnis Insein, in dem die Verhandlung gegen die Oppositionspolitikerin stattfindet. Das Gebäude ist abgeriegelt, alle Zufahrtstraßen gesperrt. Sondereinheiten in Kampfanzügen errichteten laut Augenzeugen Barrikaden mit Stacheldraht.

Aung San Suu Kyi: Friedensnobelpreisträgerin vor Gericht
AP

Aung San Suu Kyi: Friedensnobelpreisträgerin vor Gericht

Menschenrechtsgruppen hatten zu Protesten vor der Strafanstalt aufgerufen. Mehr als hundert Mitgliedern von Suu Kyis Nationaler Liga für Demokratie (NLD) gelang es, den äußeren Ring von Barrikaden zu durchbrechen. Ein Demonstrant wurde von der Polizei abgeführt.

Die Botschafter Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und ein australischer Diplomat durften das Gefängnis nicht betreten. Der amerikanische Generalkonsul wurde dagegen hineingelassen, weil auch ein US-Bürger angeklagt ist. Ob er den Prozess verfolgen durfte, ist jedoch bisher nicht bekannt.

Die 63-jährige Suu Kyi wurde - nur gut eine Woche vor Ablauf eines mehrjährigen Hausarrests am 27. Mai - wegen Verletzung von Auflagen erneut vor Gericht gestellt. Ihr droht eine fünfjährige Haftstrafe. Einer ihrer Anwälte wies die Vorwürfe gegen seine Mandantin am Sonntag noch einmal zurück. Suu Kyi hat 13 der vergangenen 19 Jahre in Haft oder Hausarrest verbracht.

Hintergrund des neuen Prozesses ist der heimliche Besuch eines US-Bürgers vor knapp zwei Wochen, der zu ihrem von Sicherheitskräften abgeriegelten, an einem See gelegenen Haus geschwommen war. Die Oppositionsführerin wurde am vorigen Donnerstag von Polizisten abgeführt und ins Gefängnis gebracht. Politiker und Menschenrechtsgruppen in aller Welt forderten die Militärjunta auf, Suu Kyi unverzüglich freizulassen.

ler/AP



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