Burma Soldaten stürmen Klöster in Rangun - Hunderte Festnahmen

In der vergangenen Nacht ist die Lage in Burma eskaliert. Soldaten stürmten Klöster und nahmen Hunderte buddhistische Mönche fest. In der Stadt Rangun errichtete das Militär Barrikaden. Die Junta will damit weitere Proteste unterdrücken.

Rangun/New York - Die Soldaten schlugen im Morgengrauen zu. Nach einer relativ ruhigen Nacht durchsuchten sie laut Augenzeugen heute zwei Klöster in der ehemaligen Hauptstadt Rangun. Auch im Nordosten des Landes soll es Razzien in Klöstern gegeben haben.

Beobachtern zufolge wurden allein in Rangun bis zu 200 Mönche festgenommen und unter Schlägen abgeführt. Bei den Männern handele es sich um Anführer der Proteste. "Selbst ein erkrankter Mönch wurde mitgenommen", klagte eine Klosterschülerin. Ein Mönch aus dem Kloster Ngwe Kyar Yan verwies auf Blutspuren am Boden, die nach seinen Angaben von Geschlagenen stammten. Die Soldaten hätten bei ihrer Razzia mehrfach in die Luft geschossen.

Auch Politiker der Nationalen Liga für Demokratie, der Partei von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, wurden festgenommen. Kurz nach Mitternacht war bereits der Sprecher der Nationalen Liga für Demokratie, Myint Thein, verhaftet worden, wie dessen Familie mitteilte. Festgenommen wurden nach Parteiangaben ferner das Vorstandsmitglied Hla Pe und der frühere Parlamentsabgeordnete Pu Yin Shin. Ein asiatischer Diplomat sagte, dass sich Suu Kyi weiterhin unter Hausarrest in Rangun befinde. Zuvor hatte es Gerüchte gegeben, sie sei möglicherweise in das berüchtigte Insein-Gefängnis verlegt worden.

Hunderte Soldaten seien an strategisch wichtigen Orten in Rangun postiert worden, berichteten die Augenzeugen weiter. Sie hätten an der Shwedagon- und der Sule-Pagode und einer wichtigen Straße Barrikaden errichtet und Wasserwerfer postiert. Dort hatten sich in den vergangenen Tagen Demonstrationen formiert.

Mit diesen Maßnahmen sollen offensichtlich weitere Proteste unterbunden werden. Deshalb ist bisher unklar, ob heute wieder demonstriert wird. Anführer der Oppositionellen appellierten jedoch an die Mönche des Landes, weiter auf die Straße zu gehen.

Am Mittwoch waren bei den Massenprotesten zahlreiche Mönche geschlagen worden. Über die Zahl der Opfer gibt es widersprüchliche Angaben. Die Militärs sprachen von einem Toten. Andere Quellen nannten die Zahl von fünf Toten.

Ein oppositioneller burmesischer Rundfunksender sprach von mindestens acht Erschossenen. Außerdem habe es annähernd 150 Verletzte gegeben, meldet der aus Norwegen ausstrahlende Rundfunksender Democratic Voice of Burma unter Berufung auf Augenzeugenberichte. Neben Rangun habe es auch in Mandalay und Sittwe Demonstrationen gegeben.

Die Märsche der Mönche hatten vor knapp zehn Tagen als Reaktion auf drastische Erhöhungen der Benzin- und Gaspreise begonnen und sich zur größten Protestkundgebung seit Niederschlagung der Demokratiebewegung 1988 entwickelt.

Der Uno-Sicherheitsrat konnte sich wegen des Widerstands Chinas nicht auf eine Verurteilung des Blutvergießens in Burma einigen. Bei einer Dringlichkeitssitzung am Mittwoch in New York verständigte sich das höchste Uno-Gremium lediglich auf einen zurückhaltenden Appell an die Machthaber in Burma .

Die EU und die USA verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung die Gewalt gegen friedliche Demonstranten. "Wir sind zutiefst besorgt über Berichte, dass die Sicherheitskräfte friedliche Demonstranten angegriffen und unter Beschuss genommen sowie viele buddhistische Mönche und andere festgenommen haben", heißt es in der in Brüssel veröffentlichten Erklärung.

Die Außenminister der G8 - die sieben führenden Industrienationen und Russland - forderten die Militärführung zur Gewaltfreiheit und zum Dialog mit den Demonstranten auf. In Berlin wurde der Botschafter Burmas ins Auswärtige Amt einbestellt. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die Militärjunta zum Gewaltverzicht gegen die friedlichen Demonstranten auf.

Nach Angaben der portugiesischen EU-Ratspräsidentschaft werden die Botschafter der 27 EU-Staaten heute über eine mögliche Verschärfung der Sanktionen beraten. Die EU hatte 1996 erstmals Sanktionen gegen die Regierung in Burma verhängt, darunter ein Waffenembargo und Einreiseverbote gegen die Führungspersonen der Militärjunta.

ler/dpa/Reuters/AP

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