Burma Suu Kyi will Wandel mit friedlichen Mittel erreichen

Nach ihrer Freilassung gibt sich die burmesische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi kämpferisch. Im SPIEGEL-Interview fordert sie einen generellen Wandel in ihrer Heimat: "Solange es in Burma kein Recht gibt, kann hier jeder Mensch zu jeder Zeit verhaftet werden."

AP

Hamburg - Die burmesische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hat einen grundsätzlichen Wandel in ihrem Land gefordert. Wenige Tage nach dem Ende ihres Hausarrests wies sie in einem SPIEGEL-Interview auf die Missstände in Burma hin: "Die Wirtschaft liegt am Boden, die ethnischen Spannungen nehmen zu, es gibt politische Gefangene und zu viele Flüchtlinge, die das Land verlassen."

Diese Probleme müssten "mit friedlichen Mitteln" gelöst werden, sagte die burmesische Oppositionspolitikerin. "Solange es in Burma kein Recht gibt, kann hier jeder Mensch zu jeder Zeit verhaftet werden", so Suu Kyi. Sie verteidigte zugleich die Entscheidung ihrer Nationalen Liga für Demokratie (NLD), im Gegensatz zu anderen oppositionellen Kräften nicht an der Parlamentswahl vom 7. November teilgenommen zu haben - die NLD war daraufhin verboten worden. "Es gab Leute, die an diese Wahl geglaubt haben, sie haben sie am Ende verloren."

Nach dem langen Hausarrest sei sie ziemlich müde, gestand Aung San Suu Kyi. Sie habe die ganzen Jahre über kein Internet, kein Mobil- und kein Satellitentelefon gehabt. Der wichtigste Kontakt nach draußen sei ihr Radio gewesen, mit dem sie "jeden Tag fünf, sechs Stunden verfolgte, was in der Welt vor sich geht".

Fadenscheinige Begründungen

Suu Kyi hat fast 15 der vergangenen 21 Jahre in Isolation verbracht. Die Oppositionspolitikerin kämpft seit 1988 für Demokratie in ihrem Land. Die Militärjunta warf ihr Destabilisierung vor und hatte den Hausarrest immer wieder unter fadenscheinigen Begründungen verlängert.

Die Freilassung der populären Politikerin am Samstagabend war weltweit mit Erleichterung zur Kenntnis genommen worden. "Sie ist eine Heldin für mich und eine Quelle der Inspiration für alle, die sich für grundlegende Menschenrechte in Burma und überall auf der Welt einsetzen", ließ US-Präsident Barack Obama in einer Mitteilung verbreiten.

Suu Kyi hatte 1990 die Wahlen gewonnen, doch erkannten die Generäle das Ergebnis nie an. Vergangenes Wochenende ließen sie erstmals wieder wählen. Sie verkünden seitdem jeden Tag neue Sitzgewinne für die eigene Partei USDP, die mehr als 80 Prozent gewonnen haben will. Der Wahlgang war international heftig umstritten.

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