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09. November 2010, 08:43 Uhr

Burma

Tausende fliehen vor Kämpfen zwischen Militär und Rebellen

Gewalt in Burma: Nach den von der Junta abgehaltenen Parlamentswahlen haben sich Regierungstruppen und Rebellen an der Grenze zu Thailand heftige Kämpfe geliefert. Tausende Menschen sind in Panik geflohen, Zivilisten wurden getötet.

Bangkok - Rebellen und Regierungstruppen haben sich in Burma den dritten Tag in Folge Gefechte geliefert. Nahe der Grenze zu Thailand waren auch am Dienstag immer wieder Schusswechsel zu hören, wie Flüchtlinge den thailändischen Behörden zufolge berichteten.

Nach den Wahlen am Sonntag waren die Kämpfe in der Grenzregion zwischen der burmesischen Armee und Rebellen der ethnischen Minderheit der Karen eskaliert. Tausende Menschen sind vor der Gewalt ins Nachbarland Thailand geflohen.

Die genauen Zahlen unterscheiden sich: Die Nachrichtenagentur dpa schreibt von 12.000 Flüchtlingen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP flohen rund 20.000 Menschen. Die Flüchtlinge haben demnach an zwei Stellen die Grenze überquert, sagten Vertreter der thailändischen Behörden am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Rund 15.000 Menschen sind demnach in der Stadt Mae Sot eingetroffen, während 5000 weitere die Grenze 150 Kilometer südlich überquerten.

Eine Splittergruppe der Karen-Rebellenarmee DKBA hatte am Sonntag aus Protest gegen die von der Militärjunta organisierten Wahlen die Polizeistation und die Post in Myawaddy, rund 350 Kilometer nordwestlich von Bangkok, besetzt. Drei Zivilisten wurden bei den Kämpfen getötet und mehrere weitere verletzt.

Junta erklärt sich zur Siegerin der Wahlen

Ethnische Minderheiten kämpfen seit Jahrzehnten in den bergigen Randprovinzen des Landes gegen die herrschende Militärjunta. Beobachtern zufolge ging die Regierung vor den Wahlen verstärkt gegen Rebellen vor. Am Wahltag hatten rund bewaffnete 300 Rebellen in Myawaddy gegen die Wahlen protestiert. Der Urnengang am Sonntag war die erste Wahl seit 20 Jahren und wurde von der Opposition und zahlreichen westlichen Staaten heftig kritisiert.

Organisationen der ethnischen Minderheiten, die rund 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen, hatten in den vergangenen Tagen vor einem Bürgerkrieg gewarnt, sollten die Streitkräfte ihnen die zentralisierte Verfassung aufzwingen und sie ihrer Rechte berauben. In 3.400 Ortschaften in überwiegend von ethnischen Minderheiten bewohnten Gegenden waren die Wahlen abgesagt worden, so dass schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen nicht von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen konnten.

Die Partei der Junta, die Union der Solidarität und Entwicklung (USDP), habe bei der Abstimmung am Sonntag rund 80 Prozent der Stimmen enthalten, sagte ein ranghoher Parteifunktionär am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Unter den erfolgreichen Kandidaten ist demnach auch die Nummer drei des Militärregimes, General Thura Shwe Mann, der vor einigen Wochen von seinem Militärposten zurückgetreten war, um bei den Wahlen zu kandidieren.

Die unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hatte zum Boykott der Wahl aufgerufen. Bei der Parlamentswahl 1990 hatte ihre Partei einen Sieg erzielt, der von der Militärregierung jedoch nicht anerkannt wurde.

Da keine unabhängigen Beobachter oder ausländischen Journalisten zu den Wahlen zugelassen waren, sprachen zahlreiche westliche Staaten schon im Vorfeld von einer Farce.

anr/dpa/AFP

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