Bush-Besuch USA verweigern Pakistan Nuklear-Abkommen

Bei seinem Besuch in Pakistan hat US-Präsident George W. Bush die Anstrengungen des Landes im Anti-Terror-Kampf gelobt. Ein Atombündnis, wie es die USA jüngst mit Indien vereinbart hatten, wird es dennoch nicht geben.


Islamabad – Bush und der pakistanische Präsident General Pervez Musharraf sprachen über einen möglichen Atompakt zwischen den Ländern. Zuvor hatten die USA ein solches Abkommen mit Indien vereinbart. Nach mehr als 30-jährigem Boykott wollen die Vereinigten Staaten demnach als erstes Land der Welt wieder Atomtechnologie und Nuklearmaterial zur zivilen Nutzung an den lokalen Erzrivalen Pakistans liefern.

Bush, Musharraf: "Wir werden diesen Krieg gemeinsam gewinnen"
REUTERS

Bush, Musharraf: "Wir werden diesen Krieg gemeinsam gewinnen"

Bei einer Pressekonferenz in Islamabad vermied Bush allerdings eindeutige Aussagen zu einem möglichen Bündnis mit Pakistan. Er habe Musharraf erklärt, Pakistan und Indien seien Länder mit unterschiedlichen Ansprüchen und geschichtlichem Hintergrund. Diese Unterschiede würden bei strategischen Fragen berücksichtigt. Aus Kreisen der US-Delegation war aber zu hören, dass ein solcher Pakt mit Pakistan nicht zu Stande kommen wird.

Lob für Anti-Terror-Kampf

Bush äußerte sich bei seinem Besuch in Islamabad zufrieden über die Bemühungen Pakistans im Kampf gegen den Terror. Er habe festgestellt, dass Musharraf wisse, was auf dem Spiel steht, sagte Bush.

Wichtig sei ein Austausch von Geheimdienstinformationen. Außerdem müsse Pakistan die Ausrüstung und die Mittel dafür haben, gegen Terroristen vorzugehen. "Wir werden diesen Krieg zusammen gewinnen", sagte Bush. Musharraf bekräftigte seine Unterstützung für Washington. Die Absicht Pakistans sei klar: "Wir haben eine strategische Partnerschaft bei der Bekämpfung des Terrorismus."

Bush wies ferner darauf hin, dass demokratische Verhältnisse wichtig für die Bekämpfung des Extremismus seien. "Wir haben viel über Demokratie in Pakistan diskutiert, und ich glaube, dass die Demokratie Pakistans Zukunft ist", sagte Bush. Musharraf verwies darauf, dass es seit seinem Amtsantritt vor sechs Jahren ein gewähltes Parlament gebe und Frauen mehr Rechte erhalten hätten.

Begleitet von militanten Protesten war Bush gestern in Pakistan eingetroffen. Die Maschine des Präsidenten landete unter strengen Sicherheitsvorkehrungen mit ausgeschalteten Lichtern auf dem Luftwaffenstützpunkt Rawalpindi nahe der Hauptstadt Islamabad.

In Rawalpindi ging die Polizei mit dem Schlagstock gegen rund 1000 Demonstranten vor, die die US-Flagge mit Füßen traten. In Sprechchören riefen sie: "Mörder geh zurück" und "Tod für Amerika".

In der Hafenstadt Karachi versuchten mehrere hundert Anhänger islamistischer Gruppen, zum US-Konsulat vorzudringen. Dort wurde am Mittwoch ein amerikanischer Diplomat bei einem Selbstmordanschlag getötet. Die Ermittler vermuten militante Islamisten der Gruppe Jundullah (Brigade Allahs) hinter der Tat, wie ein Regierungsvertreter am Samstag sagte. Sie wird auch für Anschläge auf das US-Konsulat und christliche Gruppen in der Vergangenheit verantwortlich gemacht.

suc/AP/reuters

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