Bush in Europa "Auftrag erfüllt"

Fünf Tage wandelte George W. Bush auf Neuland. Trotz teils frostiger Empfänge, heftiger Demonstrationen und unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten ist der Amerikaner mit seiner Europa-Visite zufrieden. Die selbstgesteckten Ziele habe er erreicht.


Tiefe Einblicke nicht nur politischer Art erhielt George W. Bush auf seinem Europa-Trip.
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Tiefe Einblicke nicht nur politischer Art erhielt George W. Bush auf seinem Europa-Trip.

Brdo Pri Kranju - "Meine Zusammenfassung der Reise lautet: Auftrag erfüllt", sagte Bush am Samstag in einem Interview nach seinem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Slowenien. Er habe Europa versichert, dass die USA ein starker Verbündeter blieben, auf die Erweiterung der Nato gedrängt und für die US-Pläne zur Errichtung eines Raketenabwehrsystems geworben. Bush beendete in Slowenien seine Europa-Reise, während der er zuvor Spanien, Belgien, Schweden und Polen besucht hatte.

"Ich war erfreut über die vorausschauende Haltung vieler Nato-Mitglieder", sagte Bush. Die Raketenabwehrpläne der USA seien insbesondere beim Nato-Partner Spanien und bei osteuropäischen Staaten auf eine positive Resonanz gestoßen, sagte Bush. Das zeige, dass das Verständnis für die Pläne wachse. Bush war es allerdings bei seinem Treffen am Mittwoch mit der Nato in Brüssel nicht gelungen, die Zweifel an den Plänen innerhalb der Allianz zu zerstreuen.


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Bush sprach über das geplante Raketenabwehrsystem auch mit Putin. Putin habe sich in dieser Frage "aufnahmefähig" gezeigt, sagte Bush. "Er (Putin) hat zwar nichts dazu gesagt, aber sorgsam zugehört." Putin hatte jedoch nach dem Treffen mit Bush die USA erneut vor einer einseitigen Abkehr von dem Vertrag zur Begrenzung der Raketenabwehrsysteme (ABM) gewarnt. Russland betrachte das Abkommen weiter als Eckstein der modernen Sicherheitsarchitektur, sagte Putin. Bush hatte zu Beginn seiner Reise das Abkommen als "Relikt der Vergangenheit" bezeichnet.

In Slowenien traf sich der US-Präsident mit Wladimir Putin - "zum Kennenlernen".
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In Slowenien traf sich der US-Präsident mit Wladimir Putin - "zum Kennenlernen".

Die US-Pläne verstoßen gegen den 1972 zwischen der USA und der Sowjetunion - deren Rechtsnachfolger Russland ist - geschlossenen Vertrag. Putin und Bush vereinbarten, dass sich Experten beider Seiten mit dem Thema weiter befassen sollen. Bush lud Putin, mit dem er erstmals zusammenkam, für den Herbst in die USA ein. Später soll Bush auf Einladung Putins Russland besuchen.

Bush sagte, er sei nach Europa gekommen, um über die "Philosophie" seiner Regierung zu sprechen. Die USA blieben ein loyaler Verbündeter, ein Freund und würden sich weiter in der Nato engagieren. Er wies darauf hin, sich während seines Besuchs für die Nato-Osterweiterung stark gemacht zu haben. Neun Staaten streben derzeit eine Aufnahme in die Allianz an. Russland hat die Pläne kritisiert, da die Allianz etwa mit der Aufnahme der drei baltischen Staaten Lettland, Litauen und Estland erstmals direkt an die russische Grenze heranrücken würde.

Bush sagte, er habe den Europäern versichert, dass die USA an den Friedenseinsätzen der Nato auf dem Balkan beteiligt blieben. Er äußerte zugleich die Hoffnung, während seines ersten Besuchs in Europa nach seinen Amtsantritt im Januar Vorurteile über sich ausgeräumt zu haben.

"Ich war in der Lage, die Führer der Welt zu treffen und direkt mit ihnen zu sprechen, einige von denen, die ich getroffen habe, einige von denen, hatten keine Vorstellung darüber, wie ich bin", sagte Bush. Er fügte hinzu: "Ich denke, die Menschen betrachten mich jetzt als einen aufrichtigen Mann, der zu Prinzipien steht, die die Interessen meiner Nation am besten repräsentieren."

Bush war in Europa insbesondere wegen seines Neins zum Klimaschutzabkommens von Kyoto auf Kritik gestoßen. Bush hatte nach seiner Amtsübernahme das 1997 von den USA mit unterzeichnete Abkommen zur Reduzierung der Treibhausgase abgelehnt, weil dieses gegen die Wirtschaftsinteressen der USA verstoße. Er handelte sich damit in Europa den Vorwurf ein, die Wirtschaftsinteressen der USA ohne Rücksicht auf die Folgen für die weltweite Umwelt durchsetzen zu wollen.

Steve Holland, Reuters



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