Bush in Irak und Afghanistan Zum Abschied fliegen Schuhe

Abschiedstour im Kriegsgebiet: George W. Bush hat einen Monat vor dem Ende seiner Amtszeit unangekündigt den Irak und Afghanistan besucht. In Bagdad musste der US-Präsident bei einer Pressekonferenz vor tief fliegenden Geschossen in Deckung gehen: Ein Journalist bewarf ihn mit seinen Schuhen.


Bagdad - Dankbarkeit sieht anders aus. Als der scheidende US-Präsident am Sonntag in Bagdad ein letztes Mal gemeinsam mit dem irakischen Premier Nuri al-Maliki vor die Presse trat, hatte ein Journalist statt einer Frage einen ganz besonderen Abschiedsgruß für George W. Bush. "Das ist der Abschiedskuss, du Hund!", rief der irakische TV-Reporter. "Das ist das Ende!"

Dabei zog der Mann seine Schuhe aus und schleuderte sie in Richtung des Präsidenten. Bush versuchte, hinter dem Rednerpult in Deckung zu gehen. Beide Treter verfehlten ihr Ziel - einer flog über Bushs Kopf und knallte gegen die Wand hinter ihm. Auch Maliki wurde nicht getroffen.

US-amerikanische und irakische Sicherheitsbeamte stürzten sich auf den Mann, ein Korrespondent des Senders al-Baghdadija, und zerrten ihn aus dem Konferenzsaal, während dieser weiter schrie und um sich schlug. Bush witzelte anschließend über den Zwischenfall: Alles, was er dazu sagen könne, sei, dass es sich um Schuhe der Größe 44 gehandelt habe.

"Der Krieg ist noch nicht vorbei"

Der US-Präsident war am Sonntag überraschend in den Irak gereist. Dabei verteidigte er einmal mehr das US-Vorgehen in dem Land. Der Krieg im Irak sei hart gewesen, aber notwendig, um die USA zu schützen und den Irakern Hoffnung auf eine friedliche Zukunft zu geben, erklärte Bush in Bagdad. Auf der Pressekonferenz mit dem irakischen Regierungschef Maliki betonte er, auch fast sechs Jahre nach seinem Beginn sei der Krieg noch nicht vorbei.

Gemeinsam mit Maliki unterzeichnete Bush ein Sicherheitsabkommen, das am 1. Januar in Kraft tritt. Es sieht einen Abzug der US-Kampfeinheiten bis Juni aus den irakischen Städten und binnen drei Jahren aus dem gesamten Land vor. Das Abkommen sei eine solide Basis für die künftigen Entwicklungen im Irak, erklärte Bush.

Der künftige US-Präsident Barack Obama will innerhalb von 16 Monaten alle US-Truppen aus dem Irak nach Hause holen. Derzeit sind fast 150.000 amerikanische Soldaten im Irak stationiert, mehr als 4200 wurden dort seit Kriegsbeginn getötet. Der Krieg hat die amerikanischen Steuerzahler bislang 576 Milliarden Dollar gekostet und wie kein anderes Thema Bushs Amtszeit beherrscht.

Besuch in Afghanistan

Nach seinem überraschenden Besuch im Irak reiste Bush zu einer unangekündigten Visite nach Afghanistan weiter. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram traf er mit mehr als US-amerikanischen und anderen Soldaten zusammen. Anschließend sprach er in Kabul mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai. "Afghanistan ist ein dramatisch anderes Land als vor acht Jahren. Wir machen hoffnungsvolle Fortschritte", sagte Bush am frühen Montagmorgen vor den Militärangehörigen. Karzai sicherte er die weitere Unterstützung der USA zu: "Genauso, wie sie auf diese Regierung zählen konnten, werden sie auch auf die nächste Regierung zählen können."

Karzai erklärte, Afghanistan wolle nicht für immer von internationaler Hilfe abhängig sein, brauche aber noch für einige Zeit Unterstützung aus dem Ausland. Die USA haben derzeit rund 31.000 Soldaten in Afghanistan stationiert. Kommandeure haben eine Verstärkung um mindestens weitere 20.000 Soldaten gefordert. Der künftige US-Präsident Barack Obama hat sich ebenfalls für eine Truppenverstärkung in Afghanistan ausgesprochen.

phw/AP



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