Bush in Rom Proteste schlagen in Gewalt um

Bei einer Massenkundgebung gegen US-Präsident George W. Bush in Rom ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Vermummte warfen aus dem Schutz der friedlichen Menge Flaschen und andere Objekte auf Bereitschaftspolizisten. Die antworteten mit Tränengas.


Rom - Eine friedliche Demonstration gegen US-Präsident George W. Bush und die Globalisierung in Rom ist kurz vor ihrem Abschluss in Gewalt umgeschlagen. Schwarz vermummte Demonstranten bewarfen die Polizei unter anderem mit Flaschen. Die Einsatzkräfte setzen Tränengas ein. Noch eine Stunde nach Beginn der Ausschreitungen verfolgten Einsatzkräfte Störer, die unter anderem das Fenster einer Bank einschlugen. Wie das staatliche italienische Fernsehen berichtete, mussten neun Verletzte ins Krankenhaus. Sechs Demonstranten seien festgenommen worden.

Ende eines friedlichen Protestes: Flaschenwürfe gegen Polizisten
DPA

Ende eines friedlichen Protestes: Flaschenwürfe gegen Polizisten

Die Ausschreitungen begannen, als der fast einen Kilometer lange Demonstrationszug sich seinem Ziel im Herzen der römischen Altstadt, die Piazza Navona mit ihrem berühmten Bernini-Brunnen, näherte. Die Veranstalter schätzten die Teilnehmerzahl auf 150.000. Darin bewegten sich in schwarz gekleidete Vermummte, die plötzlich begannen, Gegenstände auf Polizisten zu werfen. Andere Demonstranten versuchten zeitweise, sich zwischen Polizei und Randalierer zu stellen, um weitere Zusammenstöße zu verhindern.

Zahlreiche Straßen wurden im Zuge der Sicherheitsvorkehrungen für Bushs Besuch gesperrt, vier U-Bahn-Stationen in der Nähe des Vatikans und im Stadtzentrum blieben geschlossen. Um das Kolosseum, der Piazza Venezia und anderen zentralen Punkten in der Innenstadt waren für den Besuch von Bush an die 10.000 Polizisten stationiert worden. Die Demonstrationen fanden statt, als sich Bush in die Residenz des amerikanischen Botschafters zurückgezogen hatte.

"Dieselbe Position in der schwierigen Frage des Iran"

Der US-Präsident war in Rom mit dem italienischen Ministerpräsident Romano Prodi, Oppositionsführer Silvio Berlusconi, Papst Benedikt XVI. und Staatspräsident Giorgio Napolitano zusammen getroffen.

US-Präsident Bush und der italienische Regierungschef Prodi haben bei ihrem Treffen in Rom die Freundschaft beider Staaten und ihre Gemeinsamkeiten in politischen Fragen hervorgehoben. "Wir haben dieselbe Position hinsichtlich der schwierigen Frage des Iran und bezüglich der Gefahr der Verbreitung von Atomwaffen", sagte Prodi bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bush. Italien und die USA setzten sich gemeinsam dafür ein, Druck auf die iranische Regierung auszuüben, damit diese die Grenzen der friedlichen und kontrollierten Nutzung der Atomenergie nicht überschreite. Bush dankte Italien für dessen Führungsrolle im Libanon.

Für Differenzen zwischen Washington und Rom sorgte zuletzt der Afghanistan-Einsatz. Bush erwartet von Italien eine Verstärkung des Engagements am Hindukusch. Prodi hatte nach seinem Wahlsieg im vergangenen Jahr die italienischen Truppen aus dem Irak abgezogen, die rund 1900 Soldaten in Afghanistan blieben aber weiterhin dort stationiert. Die USA hatten außerdem die Freilassung von fünf Taliban-Kämpfern im Austausch gegen einen als Geisel genommenen italienischen Journalisten kritisiert.

Nach dem Treffen mit Bush betonte Prodi, zwischen Italien und den USA gebe es "kein ernsthaftes bilaterales Problem". Bush sagte, er freue sich bereits, Prodi in den USA zu empfangen. Mit Prodis Vorgänger, dem jetzigen Oppositionsführer Silvio Berlusconi, wollte der US-Präsident nach eigenen Angaben im Anschluss einen "Kaffee trinken gehen". "Er ist der Oppositionsführer und er ist ein Freund", sagte der US-Präsident.

"Kritische Lage der christlichen Gemeinde im Irak"

Am Vormittag war US-Präsident George W. Bush erstmals mit Papst Benedikt XVI. zusammengetroffen. Während der halbstündigen Audienz in Rom habe der Papst friedliche Lösungen für den Nahen Osten angemahnt, teilte der Vatikan mit. Neben dem Nahost-Konflikt und der Lage im Libanon sei auch die "beunruhigende Situation im Irak und die kritische Lage der christlichen Gemeinde dort" Thema gewesen. Im Nordirak waren vergangene Woche ein chaldäischer Priester und drei Diakone getötet worden.

"Wir haben nicht nur über Krieg gesprochen", sagte Bush nach seiner Audienz auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Rom. "Er ist darüber besorgt, dass die sich im Irak entwickelnde Gesellschaft nicht die christliche Religion toleriert", berichtete der amerikanische Präsident von seiner Privataudienz beim Papst. "Er macht sich Sorgen, dass die Christen im Irak von der muslimischen Minderheit misshandelt werden."

Das halbstündige Gespräch mit dem Papst sei in einer herzlichen Atmosphäre verlaufen - auch wenn der US-Präsident sich einen Schnitzer erlaubt hatte. Statt das Oberhaupt der Katholiken mit "Seine Heiligkeit" anzusprechen, zollte er dem 80jährigen mit der in den USA üblichen Anrede "Sir" seinen Respekt. So beantwortete er in der Privatbibliothek des Papstes eine Frage von Benedikt XVI. mit einem strammen "Yes, Sir", wie Reporter berichteten. Bush sagte nach seiner ersten Begegnung mit dem Papst: "Ich habe mit einem sehr klugen, liebenden Mann gesprochen."

Am Morgen war der US-Präsident bereits von Italiens Staatschef Giorgio Napolitano empfangen worden. Der US-Präsident betonte bei dem Treffen nach Angaben seiner Sprecherin die Notwendigkeit, weiter internationale Gespräche über eine Unabhängigkeit der serbischen Provinz Kosovo zu führen.

van/anr/dpa/AFP/AP



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