Bush-Kabinett US-Minister Ashcroft und Evans zurückgetreten

Nur wenige Tage nach der US-Wahl beginnen die Umbauten im Kabinett Bush. Der erzkonservative Justizminister John Ashcroft und Handelsminister Donald Evans haben ihren Rücktritt eingereicht. Ihr Abgang gilt als Auftakt zu einer groß angelegten Personal-Rochade in der Mannschaft des Präsidenten.

Washington - "Der Präsident hat die Rücktrittsgesuche angenommen", sagte Sprecher Scott McClellan. Der Abgang Ashcrofts, 62, war von vielen Beobachtern erwartet worden. Er war einer der umstrittensten Funktionsträger in der Regierung von US-Präsident Bush.

Seinen Anhängern galt der Minister als unermüdlicher Kämpfer gegen den Terrorismus. Für die oppositionellen Demokraten war er dagegen ein Symbol der konservativen Revolution, ein Mann ohne Respekt vor Bürgerrechten und Verfassung. Während seiner Amtszeit war er unter anderem für die Bundespolizei FBI zuständig und immer wieder unter Druck geraten. Unter anderem hatten Kritiker der Polizeibehörde vorgeworfen, wichtige Warnsignale vor den Terroranschlägen des 11. September nicht beachtet zu haben. Mitarbeiter hatten Ashcroft bereits seit einiger Zeit als "erschöpft" beschrieben, Gesundheitsprobleme zwangen den Minister zu Krankenhausaufenthalten.

Bush brauche bei den Verhandlungen mit den Demokraten über die kontroversen Gesetze zur inneren Sicherheit keinen Polarisierer und "Terminator", sondern einen Vermittler, schreibt die Zeitschrift "U.S. News&World Report". Aussichtsreichster Nachfolger sei Ashcrofts früherer Vize Larry Thompson, der als erster Schwarzer dieses Regierungsamt übernehmen könnte.

Ashcroft hat seine Entscheidung in einem fünfseitigen handschriftlichen Brief begründet. In dem Schreiben betonte der konservative Politiker, dass die Amerikaner vor Kriminalität und Terror erfolgreich geschützt worden seien. Nun sei es an der Zeit, eine "neue Führung und frische Inspiration" im Justizministerium zu installieren. Auch Handelsminister Donald Evans hat seinen Rücktritt eingereicht. Der Mann aus Texas ist einer der engsten Freunde von Präsident Bush und galt als möglicher Nachfolger von Finanzminister John Snow, falls dieser demnächst abtreten sollte. In einem Abschiedsbrief schrieb Evans, es sei Zeit für ihn, "nach Hause zurückzukehren".

Als unsicher gilt auch die Zukunft von Heimatschutzminister Tom Ridge, Außenminister Colin Powell und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Die Rücktritte von Ashcroft und Evans erfolgten einen Tag nachdem Präsident Bush von seinem Wochenenddomizil Camp David nach Washington zurückgekehrt war. Während seines Aufenthalts dort wollte Bush über mögliche Kabinettsumbildungen nachdenken.