Bush-Messer Comeback in glücklosen Zeiten

In allen neuen Umfragen liegt George W. Bush wieder vor seinem Gegenspieler John Kerry. Der hatte seine gute Zeit, als er den Durchmarsch in seiner Partei schaffte und alle Neugierde auf sich zog. Der Präsident dagegen feiert sein Comeback in der Demoskopie, seit ihm überhaupt nichts mehr gelingt. Ziemlich komisch, oder?

Matthew McDowd, der für Bush den Puls der Nation fühlt, ein kühler Junge mit klarem Blick auf die Dinge, gab auf die Frage, weshalb denn der Präsident ausgerechnet im blutigsten Monat seit langem im Irak so gut wegkomme, eine lakonische Antwort: Erstens habe Bush nie einen Hehl daraus gemacht, dass es schwer werde und lange dauere, bis sich die Lage im Irak zum Besseren wendet. Und zweitens honorierten die Amerikaner Geradlinigkeit in schwierigen Zeiten.

Ließe sich noch hinzufügen, dass die Amerikaner sich momentan wieder um ihren Präsidenten scharen, wie sie es reflexhaft in der Krise eben zu tun pflegen. Und zur ganzen Wahrheit gehört zusätzlich, dass dieses Weiße Haus klug und professionell ist, wenn es um die Wiederwahl geht.

Kerry steht im Windschatten. Erstaunlicherweise ist es der republikanischen Wahlkampfmaschine auch gelungen, ihn als reichen Menschen darzustellen, der sich einigen Luxus erlauben kann, nur nicht den, Überzeugungen zu haben. Ein Opportunist. Einer mit gewundenen Erklärungen, keiner mit Ja oder Nein.

Das Zerrbild schlägt sich in den Zeitungen vom Wochenende brav nieder: noch einmal ausführliche Befassungen mit dem Leutnant, der zum Kriegsgegner nach seiner Rückkehr aus Vietnam wird - diesmal im Vorwurfston. Selbst die Mitteilung eines Vatikan-Beamten, Kerry müsse eigentlich am Sonntag in der katholischen Kirche von der Kommunion ausgeschlossen werden, weil er ja für das Recht auf Abtreibung eintrete, ist eine längere Betrachtung wert.

Das alte Spiel - den Helden von gestern machen wir heute zur schillernden Figur, mal sehen, was morgen ist - lässt sich gerade in Reinkultur betrachten. "Newsweek" widmet sich übrigens in dieser Woche Teresa Heinz Kerry, ihrem Reichtum und ihren Eigenwilligkeiten, in einer Titelgeschichte.

Vielleicht hat der Kandidat Kerry darauf gehofft, dass Amerika sich von seinem Präsidenten, dem das Glück abhanden gekommen ist, langsam aber konsequent abwendet. Dem ist nicht so, es geht nicht ganz von selber. Bush hat zwar kein Glück, aber er steht ziemlich gut da. Ganz schön paradox - jedenfalls eine interessante Phase im Wahlkampf, der sich noch lange, lange, lange hinziehen wird.

Das schönste Bonmot zum Stand der Dinge stammt übrigens von einem Kolumnisten der "Washington Post": Noch so ein furchtbarer Monat für George W. Bush, und ihm ist die Wiederwahl sicher.

Bonmots erlaubt sich der Bush-Messer nur im Ausnahmefall. Er kehrt deshalb zur Normalität zurück und pendelt sich wieder bei 50 Prozent Wahrscheinlichkeit ein, dass der Präsident es am 2. November schafft. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.