Bush-Rede Blix korrigiert den Präsidenten

Uno-Chefinspektor Hans Blix hat US-Präsident George W. Bush offen widersprochen: Mehrere Vorwürfe, die Bush in seiner Rede zur Lage der Nation gegen den Irak erhoben hatte, seien nicht zutreffend. Auch sieht Blix derzeit keinen Grund für einen Krieg.


Hans Blix: Behauptungen Bushs zurückgewiesen
AP

Hans Blix: Behauptungen Bushs zurückgewiesen

New York/Washington - Blix sagte der "New York Times", es gebe keinen Beweis dafür, dass Bagdad, wie von Bush behauptet, Wissenschaftler nach Syrien, Jordanien und in andere benachbarte Länder geschickt habe, um ihren Kontakt mit den Uno-Waffeninspektoren zu verhindern. Auch spreche nichts dafür, dass sich Agenten der irakischen Führung als Wissenschaftler ausgeben, wie Bush angeführt hatte, sagte Blix.

Der Uno-Chefinspektor wandte sich auch gegen eine Behauptung von US-Außenminister Colin Powell, wonach die Kontrolleure Hinweise darauf gefunden haben sollen, dass Bagdad illegale Waffenmaterialien versteckt und aus Sorge vor ihrer Entdeckung zum Teil auch ins Ausland gebracht hätte. Ihm lägen solche Berichte nicht vor, stellte Blix klar.

Ebenso gebe es zurzeit keine überzeugenden Anzeichen darauf, dass der Irak Verbindungen zu dem al-Qaida-Terrornetz habe, wie Bush in seiner Rede hervorgehoben hatte. "Es gibt andere Länder, in denen die Verbindung zu al-Qaida klarer zu sein scheint", sagte Blix und nannte Afghanistan als ein Beispiel.

Der Chefinspektor erhob Einspruch gegen die Begründung von Bush, wonach ein Militärschlag zur Prävention von Terroranschlägen mit nuklearen, biologischen oder chemischen Waffen erforderlich sei. Die Welt sei heute weitaus sicherer als zur Zeit des Kalten Krieges, als die USA und die Sowjetunion einander mit tausenden Atomwaffen bedrohten.

Blix sprach sich erneut für die friedliche Abrüstung des Irak aus. "Ich glaube, es wäre schrecklich, wenn ein Militärschlag die Inspektionen abbrechen würde."

Blair hält Kriegsrat mit Bush

Die USA treten unterdessen in die heiße Entscheidungsphase über Krieg oder Frieden im Irak ein. Zu Beginn einer Serie diplomatischer Spitzengespräche traf der britische Premierminister Tony Blair heute zu Gesprächen mit Präsident Bush in Washington ein.

Tony Blair und George W. Bush: Kriegsrat in Camp David
REUTERS

Tony Blair und George W. Bush: Kriegsrat in Camp David

Bushs Sprecher Ari Fleischer warnte vor zu hohen Erwartungen an das Treffen: Eine Fristsetzung sei bei dem Treffen auf dem Landsitz Camp David außerhalb von Washington nicht zu erwarten. "Es handelt sich um Konsultationen", sagte Fleischer. "Der Präsident bewundert die Führungsqualitäten des Premierministers und wird sorgfältig zuhören, was er zu sagen hat." Während die USA auf eine baldige Entscheidung über einen möglichen Militärschlag drängen, will Blair Bush dem Vernehmen nach veranlassen, den Uno-Waffeninspektoren mehr Zeit zu gewähren.

Blair hatte bei einem Zwischenstopp auf dem Weg nach Camp David in Spanien noch einmal die Hoffnung auf eine politische Lösung der Irak-Krise zum Ausdruck gebracht. Es hänge allein von Saddam Hussein ab, ob und wann im Irak eine militärische Intervention notwendig werde, sagte Blair nach einem Gespräch mit dem spanischen Regierungschef José María Aznar.

Blair und Aznar hatten zusammen mit den Regierungschefs von fünf anderen europäischen Staaten und dem tschechischen Präsidenten Václav Havel einen Aufruf zur Unterstützung der USA veröffentlicht. "Wenn wir auf beiden Seiten des Atlantiks zusammenstehen, ist die Welt sicherer", sagte Blair.



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