Kritik an 9/11-Reaktion Bush senior rechnet mit Cheney und Rumsfeld ab

"Arrogant" und "eisenhart": In einer Biografie teilt Ex-US-Präsident George Bush senior kräftig gegen die prägenden Männer in der Regierung seines Sohnes aus. Donald Rumsfeld und Dick Cheney hätten diesen nach dem 11. September falsch beraten.

Politiker Bush jr., Rumsfeld, Cheney (v.l.): Zu harte Reaktion?
REUTERS

Politiker Bush jr., Rumsfeld, Cheney (v.l.): Zu harte Reaktion?


Zwei Männer haben die Außenpolitik von Präsident George W. Bush nach den Anschlägen des 11. September 2001 entscheidend mitgeprägt: Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Vizepräsident Dick Cheney. Für ihren Einfluss auf den Kurs des Weißen Hauses müssen sie sich nun harsche Kritik gefallen lassen: von Präsidenten-Papa George Herbert Walker Bush.

In seiner neuen Biografie wirft Bush senior den beiden Entscheidern vor, sie hätten seinem Sohn mit ihren Einflüsterungen geschadet. "Die Reaktion auf den 11. September, das war eisenhart." Die USA hatten zunächst in Afghanistan Jagd auf die Taliban gemacht, begründeten aber auch den zweiten Irakkrieg ab 2003 mit den Anschlägen.

Sein Sohn habe "sein Bestes" getan, so Bush senior weiter. Allerdings müsse er sich vorwerfen lassen, dass er Cheney zu viel Handlungsfreiheit zugestanden habe. So habe dieser "so etwas wie sein eigenes Außenministerium" aufgebaut, so der 91-Jährige. Das sei "ein Fehler des Präsidenten" gewesen.

Auch mit seiner berühmten Ansprache im Jahr 2002, als er vor einer "Achse des Bösen" zwischen dem Irak, Iran und Nordkorea warnte, habe sich Bush junior "keinen Gefallen getan".

Die Bush, Papa und Sohn: "Ich teile seine Einschätzung nicht"
REUTERS

Die Bush, Papa und Sohn: "Ich teile seine Einschätzung nicht"

Nicht mehr derselbe Dick?

Unter Bush sr. hatte Cheney von 1989 bis 1993 bereits als Verteidigungsminister gedient. Später, so Bush sr., habe er allerdings gravierende Veränderungen an seinem einstigen Wegbegleiter festgestellt: "Er wurde ein strenger Hardliner. Ganz anders als der Dick Cheney, den ich kannte und mit dem ich gearbeitet habe." Offenbar hätten die Terroranschläge sein Weltbild verändert: "Da scheint er den harten Typen nachgegeben zu haben, die gegen alles kämpfen wollen. Die mit Gewalt unseren Kurs im Nahen Osten durchdrücken wollten."

Auch für Rumsfeld, Verteidigungsminister während des Großteils der beiden Amtszeiten von Bush junior, hat Vater Bush wenig schmeichelhafte Worte übrig. Er bezeichnet ihn als "arroganten Typen", der dem Präsidenten geschadet habe." So richtig warm sei er mit Rumsfeld ohnehin nie geworden. "Ihm fehlt jede Bescheidenheit, er kann sein Gegenüber nicht verstehen. Ihm liegt eher daran, Leute fertigzumachen."

Cheney fühlt sich gar nicht kritisiert

Zu dieser persönlichen Kritik hat sich Rumsfeld bisher nicht geäußert - Cheney dagegen schon. Er sieht in seinem (laut Bush sr.) überharten Kurs nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon keinerlei Verfehlung. Im US-Sender Fox erklärte er: "Das macht mich sogar ein wenig stolz." Seine aggressive Reaktion auf den 11. September werde noch heute von vielen Menschen gutgeheißen.

Inzwischen hat auch George Bush junior die harschen Worte seines Vaters kommentiert. Von einer Beeinflussung durch Cheney und Rumsfeld will er natürlich nichts wissen: "Ich teile seine Einschätzung nicht. Ich habe die Entscheidungen getroffen. Das war meine Philosophie."

jok



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.