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08. April 2003, 13:28 Uhr

Bush und Blair in Belfast

Der Irak den Irakern

US-Präsident George W. Bush wurde offenbar erneut von seinem treuesten Vasallen, dem britischen Premierminister Tony Blair, zur Mäßigung bewogen. In Nordirland betonten die beiden Verbündeten, dass die Uno im Nachkriegs-Irak eine "zentrale Rolle" spielen werde. Abzuwarten bleibt, wie sehr sich Bush später an sein Wort gebunden fühlen wird.



Siegüberzeugte Alliierte Bush (r.), Blair: Saddams Macht geht zu Ende
AFP

Siegüberzeugte Alliierte Bush (r.), Blair: Saddams Macht geht zu Ende

Belfast - "Wir sind natürlich einer Meinung", sagte Blair. "Beim Wiederaufbau des Irak kommt den Vereinten Nationen eine wichtige Rolle zu." Bush benutzte nahezu dieselben Worte und fügte hinzu, es solle so schnell wie möglich eine aus Irakern gebildete Zivilregierung eingesetzt werden. Wie die Kriegsgegner Frankreich, Deutschland und Russland, hatte auch Blair auf eine starke Rolle der Vereinten Nationen im Nachkriegsirak gedrängt. Dagegen hatten sich US-Regierungsvertreter bisher dazu eher kritisch geäußert.

Der Irak werde nach dem Krieg von den Irakern und nicht von Großbritannien, den USA oder der Uno regiert, fügte Blair hinzu. Er betonte, es gebe keinen Grund für einen erneuten Streit im Weltsicherheitsrat. "Das Vergangene ist vergangen. Wir tragen alle dieselbe Verantwortung."

Irakische Übergangsregierung geplant

"Wir werden die Kontrolle so schnell wie möglich auf eine Übergangsregierung aus Inlands- und Exil-Irakern übertragen", sagte Bush. Die Übergangsregierung werde so lange amtieren, bis eine dauerhafte Führung vom irakischen Volk "ausgewählt" werden könne. US-Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz hatte in einem Interview am Wochenende für den Aufbau einer Zivilregierung im Irak mehr als sechs Monate veranschlagt.

Allerdings bleibt abzuwarten, wie sehr Bush nach dem Ende des Krieges zu seinen Worten stehen wird. Es wäre nicht das erste Mal, dass seine Zugeständnisse auch gegenüber seinem engsten Verbündeten Blair sich später als Lippenbekenntnisse herausstellen.

Anders als Blair hatte sich Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice dafür ausgesprochen, den Vereinten Nationen keine zentrale Rolle bei der Nachkriegsordnung zu geben. "Es ist nur natürlich zu erwarten, dass die Koalition der USA und ihrer Verbündeten, die Leben und Blut für die Befreiung des Irak gegeben hat, die zentrale Rolle übernimmt", sagte Rice vor wenigen Tagen.

"Die Iraker wenden sich uns zu"

Was den Verlauf des Krieges betrifft, war das Gipfeltreffen zwischen Bush und Blair von überbordendem Optimismus geprägt. Im Irak "bricht ein neuer Tag an", sagte Bush. Und auch Blair gab sich zuversichtlich, dass die Herrschaft des irakischen Präsidenten Saddam Hussein bald zusammenbrechen werde. Die Macht von Saddam neige sich dem Ende zu, sagte Blair.

Bush konnte sich aber vorstellen, dass noch schwierige Kämpfe auf die alliierten Soldaten warten. Am Ergebnis gebe es aber keinen Zweifel. "Der Irak wird frei sein", sagte Bush. In diesem zu Ende gehenden Krieg habe die Welt den wahren Charakter des irakischen Regimes erlebt, sagte Bush. Und Blair gab bekannt, in allen Teilen des Irak wachse die Macht der Verbündeten, die des Saddam-Regimes schwinde. "Die Iraker wenden sich uns zu."

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