Bush "Wir lassen uns nicht einschüchtern"

Nach dem fehlgeschlagenen Anschlag auf US-Vize-Verteidigungsminister Wolfowitz in Bagdad gibt sich Präsident Bush unbeugsam: Man werde im Irak für mehr Sicherheit sorgen. Die Guerilla antwortete umgehend: Mit einem erneuten Katjuscha-Angriff nahe dem Hotel al-Rashed.


George W. Bush: "Geduldig und entschlossen sein"
AP

George W. Bush: "Geduldig und entschlossen sein"

Washington - Kaum hatten die Amerikaner den Angriff auf den Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz in Bagdad heftig verurteilt, flogen am Abend die nächsten Raketen. Der arabische Fernsehsenders "El Dschasira" meldete Angriffe mit mehreren Katjuscha-Raketen auf das Raschid-Hotel und ein benachbartes Konferenzzentrum.

US-Präsident George W. Bush war zuvor in seiner Radioansprache nicht direkt auf den morgendlichen ersten Anschlag auf das Hotel, in dem sich sein stellvertretender Verteidigungsminister Paul Wolfowitz befand, eingegangen. Doch offenkundig darauf anspielend, sagte Bush, seine Regierung lasse sich von Angriffen und Attentaten weder beirren noch einschüchtern. Die USA und ihre Verbündeten würden es nicht zulassen, dass der Irak "jemals wieder Heimstätte für Tyrannei und Terror oder eine Bedrohung für die Welt" sein werde.

"Wir werden geduldig sein und entschlossen", gab der Präsident Durchhalteparolen aus. "Nachdem wir den Irak von einem brutalen Tyrannen befreit haben, werden wir zum irakischen Volk stehen, bis das Land mehr Stabilität, Sicherheit und Frieden hat." Dann ging Bush auf die politische Entwicklung des Irak ein. Er hob die wachsende Zustimmung der Uno für den Wiederaufbau hervor und sprach von der erfreulichen Zunahme finanzieller Hilfe aus aller Welt. Er verwies darauf, dass derzeit neben den US-Truppen 24.000 Soldaten aus 32 Ländern aktiv seien. "Es liegt noch immer ein schweres Stück Arbeit vor uns, denn der Friede im Irak hat auch Feinde", sagte Bush.

Powell von der Schlagkraft der Iraker überrascht

Weitaus offenere Worte fand US-Außenminister Colin Powell. Er räumte ein, dass die Zahl der Angriffe im Irak stärker seien als von der US-Regierung erwartet. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass es so intensiv werden und so lang dauern würde", sagte Powell in einem Interview des US-Fernsehsenders NBC am Sonntag. Ungeachtet dessen gebe es erhebliche Fortschritte beim Wiederaufbau des Irak und der Etablierung irakischer Sicherheitskräfte.

Al-Rashid-Hotel in Bagdad nach dem Anschlag: Raketen verfehlten Wolfowitz
REUTERS

Al-Rashid-Hotel in Bagdad nach dem Anschlag: Raketen verfehlten Wolfowitz

Powells angeschlagener Kabinettskollege Donald Rumsfeld äußerte sich zur Lage im Irak in einem Beitrag für die "Washington Post". Nach Ansicht des kleinlaut gewordenen US-Verteidigungsministers wird der weltweite Krieg der USA gegen den Terrorismus "lang, schwer und gefährlich" sein. Es gehe jetzt auch darum, zu verhindern, "dass sich eine neue Generation von Terroristen bildet". Dabei sei es wichtig, dass "wir den Krieg in den Köpfen der Menschen gewinnen, die Schlacht um die Gedanken."

Rumsfeld betonte, der Terrorismus lasse sich nicht allein mit Sicherheitsmaßnahmen besiegen. Er verwies auf die Vorteile der Terroristen, mit relativ geringen Mitteln überall und zu jeder Zeit beliebige Ziele angreifen und damit Unsicherheit und Angst verbreiten zu können. Die USA blieben entschlossen, den Kampf gegen den Terrorismus in die Zentren des Terrors zu tragen, wo diese ihre Basis hätten, Unterstützung und Rückhalt bekämen.



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