Bushs Angriffspläne "Wochen, nicht Monate"

Die Kriegs-Befürworter bestärken sich gegenseitig in ihrem Kurs. Der britische Premier Tony Blair und Spaniens Ministerpräsident José Maria Aznar bekräftigten bei einem Treffen ihre Unterstützung für die USA. Blair traf inzwischen in Washington ein, wo US-Präsident George W. Bush nach einer Unterredung mit Silvio Berlusconi betonte, den letzten diplomatischen Bemühungen würde nicht mehr viel Zeit eingeräumt werden.




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Bush: Die Zeit läuft aus
AP

Bush: Die Zeit läuft aus

Washington - Die Briten haben bereits rund 35.000 Soldaten in die Golfregion geschickt. Verteidigungsminister Geoff Hoon kündigte zudem die Mobilisierung von insgesamt bis zu 6000 Reservisten an. Die Amerikaner sind dabei, insgesamt rund 100.000 Mann am Golf zu stationieren. Vor diesem Hintergrund beraten Bush und Blair am Freitag über das weitere Vorgehen gegen den Irak.

Blair traf am späten Donnerstag in Washington ein. Zuvor hatte er bekräftigt, der Irak müsse notfalls mit einem Krieg abgerüstet werden. Für Blairs Gesprächspartner Bush ist die Entscheidung über Krieg oder Frieden offenbar nur noch eine Frage weniger Wochen. Nach einer Unterredung mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi sagte Bush in Washington, er räume der Diplomatie nur noch "Wochen und nicht Monate" ein.

Es wurde erwartet, dass sich Blair zwar hinter die harte Haltung Bushs stellen wird, sich jedoch angesichts der Beratungen im Uno-Sicherheitsrat gegen einen sofortigen Angriff auf den Irak aussprechen wird.

Bei seinem Treffen mit Aznar sprach sich Blair für eine zweite Uno-Resolution aus, sollte der Irak die Forderungen der Uno nicht erfüllen. "Wenn der Abrüstungsprozess nicht durch die UNO-Inspektoren erfolgt, dann sollte er mit der vollen Autorität und Zustimmung der Uno durch Gewalt erfolgen." Er sei überzeugt, dass die Vereinten Nationen einer militärischen Offensive gegen den Irak zustimmen würden, wenn die Entwaffnung anders nicht durchgesetzt werden könne. Aznar erklärte, er teile die Ansicht der USA, dass die Uno-Resolution 1441 Bagdad "eine letzte Chance" einräume.

Angesichts der Vorbehalte Frankreichs und Russlands gegen einen Krieg sagte Blair, er erwarte keinen "unvernünftigen Gebrauch" eines Vetos in dem Rat. Frankreich und Russland haben ebenso wie die USA, Großbritannien und China als ständige Mitglieder im Uno-Sicherheitsrat ein Veto-Recht. Deutschland gehört seit diesem Monat dem Rat als nicht ständiges Mitglied für zwei Jahre an und übernimmt am Samstag den Vorsitz. Über ein Veto-Recht verfügt Deutschland nicht.

Bush hatte in Washington ausdrücklich den Brief der acht europäischen Staaten begrüßt, in dem diese in der Irak-Frage ein gemeinsames Vorgehen Europas und der USA gefordert hatten. Neben Blair und Berlusconi unterzeichnete die Staats- und Regierungschefs von Dänemark, Polen, Portugal, Spanien, Ungarn und Tschechien den Aufruf. Dieser hatte die Differenzen innerhalb Europas zum Irak-Konflikt deutlich gemacht.

Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte dem ZDF am Rande einer SPD-Wahlveranstaltung, der Appell sei keine Überraschung. "Es gibt eine europäische Position von 15, nicht von acht. Die haben die Außenminister am letzten Montag festgelegt", sagte Schröder mit Blick auf den Beschluss der Europäischen Union (EU). Darin hatte sich die EU für ein Fortsetzung der Waffeninspektionen ausgesprochen und Irak zu einer stärkeren Kooperation aufgefordert. Schröder hat mehrfach erklärt, dass Deutschland im Uno-Sicherheitsrat einem Krieg gegen Irak nicht zustimmen wird.

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