Bushs Antrittsrede Der Ton macht die Musik

Wenn George W. Bush auf den Stufen des Kapitols in Washington vereidigt wird, steht er vor einer schweren Aufgabe. Nach dem juristischen Tauziehen um den Ausgang der Wahl vom 7. November muss er die Nation zusammenführen. Dabei soll ihm seine Antrittsrede helfen.


Das Kapitol in Washington: Hier wird George W. Bush vereidigt
AP

Das Kapitol in Washington: Hier wird George W. Bush vereidigt

Washington - Bush muss die Zweifel an der Legitimität seines Wahlsiegs ausräumen, der ihm nach Ansicht von manchen Kritikern vom Obersten Gerichtshof des Landes geschenkt worden ist. Zahlreiche Bürgergruppen haben aus diesem Grund Proteste anlässlich der Ernennung von Bush angekündigt. Der Republikaner ist erst der vierte Präsident in der Geschichte der USA, der zwar die Mehrheit der Wahlmänner hinter sich gebracht hat, die Volkswahl aber verloren hat. Bei der Wahl im November erhielt Bush landesweit über 500.000 Stimmen weniger als sein demokratischer Kontrahent Al Gore.

Bush ist sich dieser Hypotheken offenbar bewusst und will seine Antrittsrede dazu nutzen, sich als der Präsident aller Amerikaner zu präsentieren. "Die Rede dient dem Zweck, unsere Nation zu einen", sagte Bushs Beraterin Karen Hughes. Der Ton der Ansprache werde bestimmend sein für die Arbeit der neuen Regierung.

Schon vorher hat Bush erklärt, er strebe als Präsident eine Zusammenarbeit über die Parteigrenzen hinweg an. Bei seiner Rede an die Nation Mitte Dezember hatte er gesagt, die Bürger der USA müssten "zusammenarbeiten, um die Aussichten, die Amerika bietet, für jeden unserer Bürger erreichbar zu machen. Ich bin überzeugt, dass wir den Ton in Washington verändern können. ...Republikaner wollen das Beste für unsere Nation, und das wollen auch die Demokraten. ... Ich weiß, Amerika möchte Versöhnung und Einheit... Zusammen können wir die amerikanischen Bürger einen und inspirieren"

Zu einer Politik der Kooperation, wie Bush sie angekündigt hat, zwingt ihn auch die Zusammensetzung des neuen Kongresses, der sich Anfang Januar konstituiert hat. Bushs Republikaner konnten ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus nur knapp behaupten. Und im Senat herrscht mit 50:50 erstmals seit einem Jahrhundert ein Patt; die Republikaner können sich hier eine hauchdünne Mehrheit nur mit Vizepräsident Richard Cheney sichern, der Kraft seines Amtes Präsident des Senats ist und im Falle eines Patts die entscheidende Stimme hat.



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