Bushs Flugzeugträger-Show Kritik an der knalligen Inszenierung

Er kam im Kampfjet und in voller Kampfmontur, um den Sieg im Irak-Krieg zu verkünden. Jetzt sorgt die Landung von US-Präsident George W. Bush auf dem US-Flugzeugträger "Abraham Lincoln" für heftige Kritik. Der demokratische Senator Robert C.Byrd schimpfte über das in seinen Augen würdelose Spektakel.

Hamburg - "Präsident Bushs Rede an das amerikanische Volk, um den Sieg über den Irak zu verkünden, hätte es verdient gehabt, mit Würde begangen zu werden, nicht mit Extravaganz; mit Dankbarkeit gegenüber Gott, nicht mit selbst beweihräuchernden Gesten", heißt es in einem Papier Byrds, das laut CNN im Senat kursiert.

Wegen der Politik des Präsidenten sei amerikanisches Blut auf fremdem Boden vergossen worden, so der Senator aus West Virginia entrüstet. Diese Tatsache dürfe nicht dafür missbraucht werden, einen fernsehtauglichen Hintergrund in einer Wahlkampfwerbung zu liefern.

Bush war in der Nacht zum vergangenen Freitag (MEZ) in einem Kampfjet in voller Pilotenmontur publicity-trächtig auf dem Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" vor der kalifornischen Küste eingeflogen, um dort das Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak zu verkünden.

Als vergangene Woche Kritik an der Inszenierung laut wurde, hieß es im Weißen Haus, der Präsident habe in einem Jet auf dem Flugzeugträger landen müssen, denn das Schiff habe sich zu weit vor der Küste befunden, als dass es mit einem Hubschrauber hätte erreicht werden können. Am Dienstag nun räumte Präsidentensprecher Ari Fleischer ein, das Schiff habe sich der Küste schneller genähert als angenommen. Dennoch habe Bush in einem Kampfjet landen wollen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie die Piloten eine Landung auf einem Flugzeugträger erleben.

Der kalifornische Abgeordnete Henry Waxman sandte nach Informationen von CNN am Dienstag eine Anfrage an den Kongress, in der er eine "vollständige Auflistung der Kosten im Zusammenhang mit dem Trip des Präsidenten" verlangt. Fleischer wollte sich über die Kosten des Auftritts auf der "Lincoln" nicht äußern.

Der 85-jährige Byrd aber profilierte sich wieder einmal als derjenige Kritiker, der Bush am empfindlichsten getroffen haben dürfte. "Als ich das Kampfflugzeug des Präsidenten auf dem Deck der 'Abraham Lincoln' landen sah, konnte ich nicht anders, als die einfache Würde, die Präsident Lincoln in Gettysburg an den Tag legte, zu vergleichen mit der knalligen Inszenierung von Präsident Bush", sagte Byrd.

Ein "Salut" für die amerikanischen Soldaten sei angemessen, "doch ich stelle die Motive eines an den Schreibtisch gebundenen Präsidenten in Frage, der sich anmaßt, in der Montur eines Kämpfers zu erscheinen, um eine Rede zu halten", fügte der Senator hinzu.

Byrd, einer der prominentesten Kritiker des Präsidenten, hatte bereits im Februar die Außenpolitik der Bush-Regierung als unbesonnen und arrogant kritisiert. Wenn Staatschefs als Zwerge beschimpft, andere Länder als böse abqualifiziert und mächtige europäische Verbündete als irrelevant bezeichnet würden, "dann können diese Rücksichtslosigkeiten für unsere große Nation nichts Gutes bedeuten", so Byrd im Vorfeld des Irak-Krieges.