Bushs Geheimniskrämerei 28 mysteriöse Seiten

George W. Bush will das Geheimnis nicht lüften. Eine Freigabe eines geschwärzten Kapitels von 28 Seiten in dem 9/11-Bericht des Kongresses "würde dem Feind helfen", argumentiert der US-Präsident. Auch die saudischen Alliierten bleiben auf Spekulationen angewiesen. Kritiker vermuten, Bush habe etwas zu verbergen.

Washington/New York - Er habe überhaupt keine Bedenken wegen seiner Geheimniskrämerei, sagte Bush bei einer Pressekonferenz. Die Ermittlungen zu den Attentaten vom 11. September seien noch im Gange, eine Freigabe des Kapitels würde diese behindern. Würden die betreffenden 28 Seiten aus der 900-Seiten-Schrift veröffentlicht, kämen Quellen und Ermittlungsmethoden zu Tage, die die weiteren Untersuchungen behindern würden.

Bei den geschwärzten Seiten dürfte es um eventuelle Verbindungen der Terroristen nach Saudi-Arabien gehen. Das Königshaus in Riad hatte um Einblick in die Akte gebeten, da Saudi-Arabien "nichts zu verbergen" habe. In einem Brief, den Prinz Saud nach Washington überbrachte, äußerte sich Saudi-Arabiens De-facto-Herrscher Kronprinz Abdullah empört darüber, dass das Königreich "fälschlich und in krankhafter Weise der Komplizenschaft bei den tragischen Terroranschlägen vom 11. September beschuldigt" worden sei.

Prinz Saud äußerte nach dem Treffen mit Bush Bedauern. Er verstehe zwar Bushs Beweggründe, aber es sei wichtig für Saudi-Arabien, Einsicht in das Dokument zu erhalten, um Kritik an der saudi-arabischen Regierung zu entkräften.

Aber nicht nur von saudischer Seite wird die Veröffentlichung des mysteriösen Kapitels verlangt. auch einige Kongress-Abgeordneten unterstützen das Anliegen. Die Bush-Regierung habe ihre Befugnisse überschritten, indem sie derartige Information als geheim einstufe.

Bob Graham, Senator aus Florida und einer von neun Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, klagt: Bush sei bei der Zensur des Kapitels weit über das aus Sicherheitsbedenken Nötige hinausgegangen. Die gesamten 28 Seiten könnten veröffentlicht werden, ohne die Arbeit der Geheimdienste in irgendeiner Art und Weise zu beeinträchtigen.

Auf die Frage, worum es denn in dem Kapitel gehe, sagte Graham, es gebe seiner Ansicht nach klare Belege dafür, dass eine ausländische Regierung über Behörden und Agenten die Entführer des 11. Septembers direkt unterstützt habe. Die saudische Regierung wollte der Senator jedoch nicht konkret nennen.

Bush versuche durch die Geheimhaltung der Passage ausländische Regierungen zu schützen und Fehler der eigenen Geheimdienste zu vertuschen. Die Öffentlichkeit solle nicht erfahren, welche Rolle andere Länder bei den Attacken auf das World Trade Center und das Pentagon gespielt haben.

Auch Senator Richard C. Shelby bekräftigte, dass 90 bis 95 Prozent der betreffenden Passage veröffentlicht werden könnten, ohne die nationale Sicherheit zu gefährden. Auch er vermutet: Sie werden zurückgehalten, "weil sie peinlich für so manche internationalen Beziehungen wären".

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