Bushs Weltordnung Iran warnt USA vor Angriff

George W. Bushs unverhohlene Drohung in Richtung Iran trifft bei den Mullahs in Teheran auf demonstrative Gelassenheit. Sein Land sei militärisch stark genug, um einen Angriff auf das Land zu verhindern, sagte Verteidigungsminister Ali Schamchani vieldeutig.

Teheran/Washington - "Wir sind so stark, dass uns kein Land angreifen kann, weil sie keine genauen Informationen über unsere militärischen Möglichkeiten haben", sagte Schamchani der halbamtlichen Nachrichtenagentur Mehr.

Schamchani sagte weiter, Iran sei es gelungen, sehr rasch eine größtmögliche Abschreckung gegen Angriffe zu entwickeln. Einzelheiten nannte er nicht und ließ damit die Art der Abschreckung offen.

Die iranische Führung hat trotz der offiziellen Dementis eines Atomprogramms in der Vergangenheit immer wieder Anlass zum Verdacht geliefert, sie wolle wegen der instabilen Region Nahost und der vermuteten atomaren Bewaffnung Israels ebenfalls Atomwaffen erlangen.

Schamchani reagierte mit seinen Sätzen auf ein Interview des US-Präsidenten, in dem er einen Militäreinsatz nicht ausschließt, wenn Iran weiter keine erschöpfende Auskunft über sein Atomprogramm gebe.

Inzwischen kritisieren auch Politiker von CDU und Grünen Bushs Kriegsdrohung. Die Grünen-Fraktionschefin Krista Sager sagte heute in Berlin, sie halte das für eine "ausgesprochen gefährliche Politik". Damit erreiche man das Gegenteil vom Notwendigen, nämlich "dass Iran glaubt, nur mit der Atombombe ausreichend gerüstet zu sein".

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Volker Rühe (CDU), sagte dem Berliner "Tagesspiegel": "Wenn den USA wirklich an diplomatischen Lösungen gelegen ist, sollten sie sich weniger mit Drohungen gegen Iran beschäftigen, sondern prüfen, wie sie die Nuklearverhandlungen der Europäer mit konkreten Anreizen für das Land unterstützen können." Im Streit um das iranische Atomprogramm forderte Rühe Teheran zur Kooperation auf. Iran müsse sich eindeutig bereit erklären, dauerhaft auf die Schließung des Brennstoffkreislaufs zu verzichten.

In seiner Rede zur Lage der Nation im Januar 2002 hatte Bush Iran zusammen mit dem Irak und Nordkorea auf einer "Achse des Bösen" eingeordnet.

Laut einem Bericht der Zeitschrift "The New Yorker" haben die USA mindestens seit dem vorigen Sommer geheime Erkundungskommandos nach Iran geschickt, die dort Informationen über mögliche Angriffsziele gesammelt haben sollen. Iran sei "das nächste strategische Ziel", berichtete der Journalist Seymour Hersh in seinem Beitrag unter Berufung auf Informationen aus Kreisen der Streitkräfte und der Geheimdienste.