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27. Oktober 2016, 12:57 Uhr

Lager von Calais

Kinder und Jugendliche müssen im Freien schlafen

Das Flüchtlingslager von Calais ist geräumt, sagen die Behörden. Doch zwischen den zerstörten Hütten und Zelten müssen Kinder und Jugendliche im Freien übernachten, sagen Helfer.

Für Dutzende unbegleitete minderjährige Flüchtlinge hat sich die Situation nach der Räumung des Lagers von Calais offenbar verschlechtert. Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" berichtete auf Twitter, mehrere Kinder und Jugendliche hätten die Nacht im Freien verbracht. Ihre bisherigen Unterkünfte seien durch die Feuer im Camp zerstört worden.

Die Polizei räumt das inoffizielle Zelt- und Hüttencamp nahe der französischen Küstenstadt bereits seit Montag. Nach Angaben der Präfektin des Départements Pas-de-Calais, Fabienne Buccio, ist das Lager leer. Medien berichten allerdings von zahlreichen Menschen, die sich nach wie vor dort aufhielten und die Nacht zwischen zerstörten Hütten und Zelten verbrachten.

Die unbegleiteten Minderjährigen sind eigentlich die Einzigen, die zunächst im Camp bleiben dürfen. Frankreich pocht darauf, die Kinder und Jugendlichen mit ihren Familien in Großbritannien zusammenzubringen. Die Verhandlungen mit London laufen, die ersten Kinder wurden bereits nach Großbritannien gebracht. Bis zu einer endgültigen Einigung sollen die verbliebenen Minderjährigen in den Containern bleiben. Die Kapazitäten sind jedoch offenbar erschöpft.

Bei denjenigen, die nun die Nacht im Freien verbrachten, handelt es sich offenbar um noch nicht registrierte Flüchtlinge. Sie schliefen bislang offenbar im inoffziellen Teil des Lagers. Zahlreiche Feuer hatten in den vergangenen Tagen jedoch Hütten und Zelte zerstört. Die Minderjährigen hätten nun keinen Ort mehr, an den sie gehen könnten. Die Hilfsorganisation "Save the Children" zeigte sich angesichts der Situation vor Ort "sehr besorgt" um das Wohlergehen der Kinder.

Der "Guardian" berichtete, dass am Morgen zahlreiche Flüchtlinge vor dem Registrierzentrum Schlange standen. Ihre Aussichten sind allerdings schlecht: Das Zentrum soll geschlossen bleiben, sagte die Präfektin. "Die Menschen, die da sind, sind nicht die Menschen, die in dem Camp gelebt haben", so Buccio.

Ihren Angaben zufolge wurden in den vergangenen Tagen 5600 Flüchtlinge in Aufnahmezentren in ganz Frankreich gebracht. Vor der Räumung hatten nach Behördenangaben rund 6500 Menschen in dem Lager von Calais gelebt.

brk/dpa/AFP

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