Minderjährige Flüchtlinge in Calais Aus Camp verscheucht, aufs Land verteilt
Container für minderjährige Flüchtlinge in Calais
Foto: PASCAL ROSSIGNOL/ REUTERSDie rund 1500 Minderjährigen, die nach der Zerstörung des Flüchtlingslagers von Calais noch in Containern ausharren, sollen entgegen erster Absprachen ab Mittwoch auf Flüchtlingsunterkünfte in ganz Frankreich verteilt werden. Das verlautete am Dienstagabend aus mehreren übereinstimmenden Quellen.
Die meisten der rund 6500 Menschen, die in der Hoffnung, einen Weg nach Großbritannien zu finden, in dem Lager gelebt hatten, wurden bereits innerhalb Frankreichs umgesiedelt. Nur für die Kinder und Jugendlichen waren während der Räumung des slumähnlichen Lagers Container aufgestellt worden.
Hier sollten die Minderjährigen eigentlich bleiben, bis eine Lösung für sie gefunden wurde. Frankreich pocht darauf, die Kinder und Jugendlichen mit ihren Familien in Großbritannien zusammenzubringen.
Das Schild weist auf die ehemalige Schule im zerstörten Camp hin
Foto: PHILIPPE HUGUEN/ AFPZwischen den beiden Ländern ist es nun zu Spannungen gekommen, obwohl die ersten Kinder bereits nach Großbritannien gebracht wurden. Das Land ist nach den EU-Regeln verpflichtet, Minderjährige mit Familienangehörigen aufzunehmen.
"Die Kinder und Jugendlichen werden im Laufe des Mittwochs mit Bussen auf Aufnahmezentren für Minderjährige in Frankreich verteilt", sagte Stephane Duval, der in dem staatlich geführten Containerdorf arbeitet. "Es wird vorerst keine Abfahrten nach Großbritannien geben. Die Anträge werden später bearbeitet."
Ein Polizist am geräumten Lager
Foto: PASCAL ROSSIGNOL / REUTERSDie Nachricht führte unter den Jugendlichen zu Spannungen. Die französische Zeitung "Figaro" berichtete unter Berufung auf die Präfektur von Pas-de-Calais, zwischen etwa hundert Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft sei am Abend ein Kampf ausgebrochen. Sicherheitskräfte hätten sofort eingegriffen.
Der britische "Guardian" hingegen brachte die Auseinandersetzungen in Zusammenhang mit der Umsiedlung und schrieb, in dem Camp sei es zu gewaltsamen Protesten gekommen. Die Polizei sei mit rund 20 Einsatzwagen vorgefahren und habe Tränengas eingesetzt.