"Cap Anamur" Italien will Flüchtlinge abschieben

Die 37 Afrikaner, die mit der "Cap Anamur" nach Italien gekommen sind, sollen abgeschoben werden. Elias Bierdel, aus italienischer Haft entlassener Chef von Cap Anamur, ist derweil nach Deutschland zurückgekehrt.


Cap-Anamur-Chef Bierdel (r.), Schiffskapitän Stefan Schmidt: Flüchtlinge sollen abgeschoben werden
AP

Cap-Anamur-Chef Bierdel (r.), Schiffskapitän Stefan Schmidt: Flüchtlinge sollen abgeschoben werden

Rom - Italien hat die Asylgesuche der 37 Afrikaner abgewiesen, die am Montag an Bord der "Cap Anamur" Sizilien erreicht hatten. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf das italienische Innenministerium berichtete, wurden 14 Flüchtlinge bereits in ein Lager nahe Rom gebracht, von wo sie in ihre Heimatländer abgeschoben werden sollen.

Die Afrikaner wurden dort von italienischen Politikern und Anwälten besucht, die ein Berufungsverfahren gegen die Ablehnung der Asylgesuche anstreben. Sie verlangen die Freilassung der Asylbewerber, da das italienische Verfassungsgericht die im Einwanderungsgesetz vorgesehene Abschiebepraxis für unzulässig erklärt hat.

22 weitere Flüchtlinge seien noch auf Sizilien und hätten Aussicht auf Gewährung von "humanitärem Schutz" in Italien, schrieb Ansa. Die Stadt Venedig hatte bereits am Freitag angeboten, die "Cap Anamur"- Flüchtlinge aufzunehmen. Über das Schicksal eines weiteren Afrikaners sei noch keine Entscheidung gefallen, weil dieser behaupte, minderjährig zu sein, berichtete die Agentur. Nach Angaben der italienischen Behörden stammen die Männer nicht wie zunächst von ihnen angegeben aus der sudanesischen Krisenprovinz Darfur, sondern aus Nigeria, Niger und Ghana.

Cap-Anamur-Gründer Neudeck: Kritik an Nachfolgern
DPA

Cap-Anamur-Gründer Neudeck: Kritik an Nachfolgern

Der Chef der deutschen Hilfsorganisation Cap Anamur, Elias Bierdel, ist fünf Tage nach seiner Festnahme in Italien am heutigen Samstag nach Deutschland zurückgekehrt. Nach Angaben von Cap-Anamur-Sprecher Bernd Göken wurden insgesamt zwölf Mitarbeiter der Organisation in Deutschland zurückerwartet. Die anderen elf sollten noch am Abend ankommen.

Göken wollte sich weder zum Ort der Ankunft noch zu weiteren Details äußern und sagte lediglich, Bierdel gehe es gut. Nun wolle man die Ereignisse besprechen und entscheiden, ob man in den kommenden Tagen an die Öffentlichkeit gehen wolle.

Der Gründer von Cap Anamur, Rupert Neudeck, übte heftige Kritik an seinen Nachfolgern an der Spitze der Hilfsorganisation. "Es wäre besser gewesen, mit den 37 Geretteten nach Hamburg oder Lübeck zu fahren, um sie dort an Land zu bringen, als sie mit drohender Gebärde an der Küste Siziliens in einen italienischen Hafen zu zwingen", sagte er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Im ZDF wollte er nicht ausschließen, dass die spektakuläre Rettung von Bootsflüchtlingen zumindest teilweise für die Medien inszeniert wurde.



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