"Cap Anamur" Wieczorek-Zeul wirft Italien unerträgliche Hinhaltetaktik vor

Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul hat den italienischen Behörden vorgeworfen, sie behandelten Mitglieder der Hilfsorganisation "Cap Anamur" wie Kriminelle. Dem Schiff, das afrikanische Flüchtlinge nach Italien gebracht hat, droht die Verschrottung.

Hamburg - Heidemarie Wieczorek-Zeul verschärfte damit ihre Kritik am Vorgehen der italienischen Behörden, die sie schon vor Tagen geäußert hatte. Nun sagte die SPD-Politikerin in Berlin: "Es ist völlig unerträglich, dass die italienischen Behörden diese Hinhaltetaktik betreiben und Mitglieder einer engagierten Nichtregierungsorganisation wie Kriminelle behandeln." Die Ministerin forderte erneut die sofortige Freilassung der drei inhaftierten "Cap Anamur"-Mitarbeiter.

Zuvor war bekannt geworden, dass der Haftprüfungstermin für die drei Inhaftierten, der zunächst für Donnerstag angesetzt war, von den italienischen Behörden auf Freitag verschoben wurde. Die italienischen Behörden hatten den amtierenden "Cap Anamur"-Chef Elias Bierdel, den Kapitän des Rettungsschiffes, Stefan Schmidt, und ein weiteres Besatzungsmitglied am Montag verhaftet und das Schiff beschlagnahmt.

Die Zeitung "La Repubblica" berichtete, die Haftbedingungen für die drei "Cap Anamur"-Mitarbeiter seien sehr schlecht. Sie seien, voneinander getrennt, in Zellen mit Mördern und Dieben untergebracht. Ein Vertreter der deutschen Botschaft sei weiterhin in Agrigent, um die Inhaftierten weiter konsularisch zu betreuen, teilte das Außenamt in Berlin am Donnerstag mit.

Nach Angaben der zweiten Vorsitzenden von Cap Anamur, Edith Fischnaller, wurde es ihnen seitdem weder ermöglicht, Kontakt mit ihren Familien noch mit der Hilfsorganisation aufzunehmen.

Die italienischen Behörden werfen Bierdel die Begünstigung illegaler Einwanderung vor, nachdem die Hilfsorganisation in einem tagelangen Nervenkrieg mit den italienischen Behörden erzwungen hatte, dass 37 afrikanische Schiffbrüchige in Sizilien an Land gehen konnten. "Wir sind keine kriminelle Organisation. Das weiß man", wies Fischnaller die Vorwürfe zurück. "Cap Anamur" betreibe zahlreiche Hilfsprojekte in Krisenregionen.

"Cap Anamur"-Gründer Rupert Neudeck übte unterdessen Kritik am Vorgehen der Hilfsorganisation bei dem Flüchtlingsdrama. "Ich hätte empfohlen, Kurs auf Hamburg oder Lübeck zu nehmen", sagte er in der ARD. Von dort hätte man die Flüchtlingsproblematik der deutschen Öffentlichkeit besser erklären können. Auch Neudeck forderte entschieden die Freilassung der drei von den italienischen Behörden inhaftierten Mitarbeiter: "Natürlich müssen sie sofort aus der Haft entlassen werden". Dann könne man darüber reden, ob es Fehler gegeben habe.

Die 37 Afrikaner, die nach dreiwöchiger Wartezeit an Bord des Schiffes um politisches Asyl in Italien angesucht haben, befinden sich weiter in einem Flüchtlingslager in Caltanissetta.

Nach italienischem Recht droht der "Cap Anamur" die Verschrottung. Denn Schiffe, mit denen illegale Einwanderer ins Land gebracht worden sind, können konfisziert und anschließend verschrottet werden, berichteten italienische Medien. Die italienischen Behörden hatten die "Cap Anamur" nach ihrem Anlegen im sizilianischen Hafen Porto Empedocle am Montag sofort beschlagnahmt.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl hat Bundesinnenminister Otto Schily vorgeworfen, im Fall "Cap Anamur" Retter zu Tätern gestempelt zu haben. Es sei unerträglich, wie Schily versuche, die Crewmitglieder auf eine Stufe mit Schleppern und Schleusern zu stellen, erklärte Pro Asyl-Europareferent Karl Kopp in Frankfurt. Schily versuche gemeinsam mit seinem italienischen Kollegen Giuseppe Pisanu, ein Exempel zu statuieren, damit Schiffsbesatzungen in Zukunft wegschauten.

Mehr lesen über