Zeugenaussagen aus Syrien Rebellen könnten Nervengas eingesetzt haben

Die syrischen Rebellen sollen mit dem tödlichen Nervengas Sarin gegen ihre Gegner vorgegangen sein. Dafür gebe es einen "deutlichen, konkreten Verdacht", sagte Uno-Vertreterin Carla Del Ponte. Sie beruft sich auf Aussagen von Zeugen vor Ort.
Zerstörte Häuser nach Angriffen in Homs: Verdacht auf Sarin-Einsatz in Syrien

Zerstörte Häuser nach Angriffen in Homs: Verdacht auf Sarin-Einsatz in Syrien

Foto: YAZAN HOMSY/ REUTERS

Genf - Das tödliche Gas Sarin befindet sich offenbar in Hand von syrischen Rebellen - das sagt Carla Del Ponte, Mitglied einer Uno-Kommission zur Untersuchung der Menschenrechtslage in Syrien. Die Vereinten Nationen hätten Zeugenaussagen gesammelt, die darauf hindeuteten.

Die Ermittler hätten in benachbarten Ländern Opfer des Syrien-Krieges sowie Ärzte und Mitarbeiter von Krankenhäusern befragt, so Del Ponte, die Ex-Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien. Es gebe "noch keinen unwiderlegbaren Beweis für den Einsatz von Sarin", aber einen "deutlichen, konkreten Verdacht", erklärte sie im schweizerisch-italienischen Sender RSI . Wann oder wo das Nervengas zum Einsatz gekommen sein könnte, erörterte sie nicht.

Sarin-Gas gilt als eines der gefährlichsten Nervengifte. Es ist tödlicher als Senf- oder Chlorgas. Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad und die Rebellengruppen werfen sich gegenseitig vor, Chemiewaffen bei mehreren Angriffen eingesetzt zu haben.

Bereits im März hatte es international Befürchtungen gegeben, dass in Syrien solche Waffen eingesetzt wurden - die Vorwürfe richteten sich allerdings gegen das Regime von Assad und nicht gegen seine Gegner.

Israel warf Assad vor, Sarin gegen Rebellen eingesetzt zu haben - und zwar mehrmals. Auch Frankreich und Großbritannien schrieben in einem Brief an Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon am 25. März, dass das Regime mit Chemikalien angereicherte Geschosse eingesetzt habe. Dies hätten Bodenproben und Interviews mit Zeugen ergeben.

US-Präsident Barack Obama hatte Chemiewaffen vergangenes Jahr als "rote Linie" bezeichnet: Sollte Syriens Diktator Assad Chemiewaffen einsetzen, dann griffen die USA ein. Auch die Amerikaner vermuten inzwischen, dass Assad Giftgas eingesetzt hat. Doch das Weiße Haus versucht nun, diese Formulierung der "roten Linie" wieder zurückzunehmen.

Präsident Obama ist unter Druck geraten - besonders nach denLuftangriffen der Israelis auf Syrien. In Washington fordern viele jetzt einen Militärschlag  gegen das Regime.

Laut Carla Del Ponte hat die Uno noch keine Hinweise darauf, dass die syrischen Regierungstruppen Sarin eingesetzt hätten. Zum möglichen Einsatz von Chemiewaffen in Syrien gibt es mehrere Untersuchungen. Die von Genf aus geleiteten Nachforschungen zu Kriegsverbrechen und anderen Menschenrechtsverletzungen laufen getrennt von den Untersuchungen von Uno-Generalsekretär Ban.

Seit fast zwei Jahren kämpft die Opposition gegen Machthaber Assad. In dem Konflikt sind nach Uno-Schätzungen mehr als 70.000 Menschen ums Leben gekommen.

kgp/Reuters
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