SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

28. Juli 2018, 13:29 Uhr

Puigdemont in Brüssel

"Werde in die letzte Ecke unseres Kontinents reisen"

Carles Puigdemont ist von Deutschland nach Brüssel zurückgekehrt. Dort kündigte der katalanische Separatistenführer an, europaweit für die Unabhängigkeit der autonomen Region zu werben.

Es ist die Rückkehr in sein belgisches Exil: Carles Puigdemont hatte am Samstagmorgen Deutschland Richtung Belgien verlassen. Nach seiner Ankunft in Brüssel trat der frühere katalanische Regionalpräsident gemeinsam mit seinem Nachfolger Quim Torra vor die Öffentlichkeit. Er kündigte an, künftig in ganz Europa für die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien kämpfen zu wollen.

"Meine Reise wird nicht enden, bis alle politische Gefangenen frei sind, diejenigen aus dem Exil zurückkehren können und die katalanischen Menschen ihr Recht zur Selbstbestimmung ohne die Drohung der Gewalt ausüben können", sagte Puigdemont. "Ich werde in die letzte Ecke unseres Kontinents reisen, um das gerechte Anliegen der Katalanen zu vertreten."

Der 55-Jährige war im vergangenen Jahr nach dem verbotenen Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien als Präsident der autonomen Region abgesetzt worden. Er floh vor der spanischen Justiz nach Brüssel. Auf der Rückreise von einem Auftritt in Skandinavien wurde er am 25. März aufgrund eines von Spanien erwirkten europäischen Haftbefehls in Schleswig-Holstein festgenommen. Puigdemont kam kurzzeitig in ein Gefängnis in Neumünster, wurde aber später unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt.

In Spanien droht Haftstrafe

Das Oberste Gericht in Madrid verzichtete unterdessen auf seine Auslieferung. Grund war, dass das schleswig-holsteinische Oberlandesgericht zuvor eine Auslieferung nur wegen des Verdachts der Veruntreuung für zulässig erklärt hatte, nicht jedoch wegen Rebellion, dem Hauptvorwurf der spanischen Justiz. In Spanien droht Puigdemont allerdings weiter eine Gefängnisstrafe.

"Wir werden so gut wir können das Anliegen Kataloniens internationalisieren", meinte der separatistische Regionalchef Torra. Mit Puigdemont in Belgien gebe es dafür beste Gelegenheiten. "Wir werden nicht aufgeben, bis die Katalanen demokratisch über ihre Zukunft entscheiden können."

In Spanien hat sich der Katalonienkonflikt mittlerweile zumindest etwas entspannt. Der neue sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez, der seinen konservativen Vorgänger Mariano Rajoy am 1. Juni im Madrider Parlament mit einem Misstrauensvotum zu Fall brachte, nahm jüngst Verhandlungen mit Torra auf. Torra selbst bezeichnet Puigdemont allerdings nach wie vor als "den legitimen" Regionalpräsidenten.

kev/AP/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung