Wegen Preis für Carola Rackete Salvini wirft Frankreich Heuchelei vor

Paris will "Sea-Watch"-Kapitänin Carola Rackete mit einer Ehrenmedaille auszeichnen. Für Italiens Innenminister Salvini Anlass für eine Attacke gegen das Nachbarland.

Italiens Innenminister Salvini: Carola Rackete sei wie "der Gewalttätigste der Gelbwesten-Bewegung"
Andreas Solaro/ AFP

Italiens Innenminister Salvini: Carola Rackete sei wie "der Gewalttätigste der Gelbwesten-Bewegung"


Italiens Innenminister Matteo Salvini hat Frankreich "Heuchelei" vorgeworfen, weil die Stadt Paris "Sea-Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete mit einer Verdienstmedaille ehrt. "Sie zeichnen die deutsche Kapitänin Rackete wie eine Heldin aus, aber es war Paris, das nicht auf ihre Hilferufe reagiert hat", schrieb Salvini auf Twitter.

Rackete sei wie "der Gewalttätigste der Gelbwesten-Bewegung", weil sie mit der "Sea-Watch 3" ein Boot der italienischen Finanzpolizei gerammt und das Leben der Polizisten riskiert habe.

Am Freitag hatte das Pariser Rathaus mitgeteilt, die deutsche Kapitänin Rackete mit der höchsten Verdienstmedaille der Stadt auszeichnen zu wollen. Sie soll die "Médaille Grand Vermeil de la Ville de Paris" erhalten. Damit sollen die Solidarität und das Engagement für die Achtung der Menschenrechte gewürdigt werden. Der Stadtrat hatte zudem zugestimmt, der französischen Seenotrettungsorganisation SOS Méditerranée 100.000 Euro Soforthilfe für eine neue Rettungsmission zukommen zu lassen.

Rackete war vor zwei Wochen mit Dutzenden Migranten an Bord unerlaubt in den Hafen von Lampedusa gefahren. Gegen sie wird in Italien ermittelt. Die 31-Jährige aus Niedersachsen hatte am Donnerstag Klage gegen Salvini erhoben, weil er aus ihrer Sicht Hassbotschaften gegen sie gesendet und andere Menschen aufgestachelt habe. In dem Schriftstück warf sie ihm schwerwiegendes diffamierendes Verhalten und Anstiftung zu einem Verbrechen vor. Außerdem beantragte Rackete die Beschlagnahmung seiner Social-Media-Kanäle.

Video-Interview mit Carola Rackete: "Keine Hilfe, von niemandem, nichts"

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Wie der Fall juristisch ausgeht, ist unklar. Bisher schadet der abermals eskalierte Streit Salvini offenbar nicht - im Gegenteil: Seine Umfragewerte steigen.

hej/dpa



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