Nach Vernehmung auf Sizilien Rackete ruft EU zur Verteilung von Flüchtlingen auf

Die italienische Staatsanwaltschaft wirft Carola Rackete Beihilfe zu illegaler Einwanderung vor. Nach ihrer Vernehmung äußerte sich die Flüchtlingshelferin nicht zu ihrem Fall - sondern appellierte an die EU.

Andreas Solaro / AFP

Carola Rackete hat nach ihrer Vernehmung bei der italienischen Staatsanwaltschaft die EU aufgerufen, eine Lösung bei der Verteilung von Migranten zu finden. "Es ist mir sehr wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass es gar nicht um mich als Person gehen soll, sondern es sollte um die Sache gehen", sagte sie in der sizilianischen Stadt Agrigent.

"Wir haben Tausende von Flüchtlinge in einem Bürgerkriegsland, die dort eigentlich dringend evakuiert werden müssten", sagte Rackete. Sie erwarte von der EU, dass sie sich möglichst schnell darüber einige, wie diese Flüchtlinge in Europa aufgeteilt werden sollen.

Bei einem Treffen der EU-Innenminister in Helsinki gab es bei der Frage nach der Verteilung von Flüchtlingen, die aus dem Mittelmeer gerettet werden, keinen Durchbruch. Die Gespräche sollen aber fortgesetzt werden.

Rackete gehört laut ihrem Anwalt nicht mehr zur Sea-Watch-Crew

Die 31-Jährige aus Niedersachsen war Ende Juni mit Dutzenden Migranten an Bord ohne Erlaubnis der Regierung in Rom in italienische Gewässer und in den Hafen von Lampedusa gefahren. Dabei hatte sie ein Schiff der Finanzpolizei, die zu den Streitkräften gehört, gestreift. Sie wurde festgenommen und unter Hausarrest gestellt - anschließend aber wieder freigelassen.

Die Staatsanwaltschaft wirft Rackete Beihilfe zu illegaler Einwanderung und Widerstand gegen ein Kriegsschiff vor. Die Befragung dauerte rund vier Stunden. Eine schnelle Entscheidung, ob es zu einem Prozess kommt oder die Vorwürfe fallen gelassen werden, zeichnete sich aber nicht ab.

Laut ihrem Anwalt gehört Rackete nicht mehr zur aktuellen Crew des Rettungsschiffs "Sea-Watch 3". "Carola ist nicht mehr Mitglied der derzeitigen Besatzung der Sea-Watch, sie macht jetzt also etwas anderes", sagte ihr Anwalt Alessandro Gamberini. "In ihrem Leben hat sie nicht nur die Kapitänin der Sea-Watch gemacht, sondern ganz viel anderes." Auf die Frage, ob sie nach Deutschland zurückkehren würde, sagte Rackete selbst: "Ja."

Generell ist es normal, dass die Seenotretter ihre Crew nach Einsätzen austauschen. Die "Sea-Watch 3" liegt zudem derzeit in Sizilien an der Kette und kann nicht ausfahren.

asa/dpa



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