Streit um Sea-Watch-Kapitänin Salvini pöbelt, Rackete verlässt Italien

Die Organisation Sea-Watch erklärt, Carola Rackete habe Italien nach ihrer Vernehmung am Donnerstag verlassen. Italiens Innenminister beschimpft die deutsche Kapitänin erneut.
Carola Rackete

Carola Rackete

Foto: Pasquale Claudio Montana Lampo/ ANSA/ AP/ DPA

Die deutsche Kapitänin Carola Rackete hat Italien nach Angaben der Hilfsorganisation Sea-Watch verlassen. Rackete sei nach Deutschland aufgebrochen und werde dann weiterreisen, sagte eine Sea-Watch-Sprecherin. Nähere Angaben machte sie nicht.

Die 31-Jährige aus Niedersachsen war mit dem Schiff "Sea-Watch 3" mit Dutzenden Migranten an Bord unerlaubt in italienische Gewässer und den Hafen von Lampedusa gefahren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Beihilfe zu illegaler Einwanderung und Widerstand gegen ein Kriegsschiff vor.

Italiens Innenminister Matteo Salvini erklärte am Freitag, er könne es nicht erwarten, "diese verwöhnte deutsche Kommunistin auszuweisen und sie nach Hause zu schicken". Auf welcher rechtlichen Grundlage eine solche Ausweisung geschehen solle, erklärte Salvini nicht.

Anfang Juli hatte Rackete bereits eine Verleumdungsklage wegen Beleidigungen gegen den Parteichef der rechtsnationalen Lega eingereicht. Salvini hatte die Deutsche wiederholt als "Verbrecherin" und "Komplizin von Menschenhändlern" beschimpft und sie als "Kapitänin eines Piratenschiffs" bezeichnet, die versucht habe, fünf italienische Soldaten zu töten.

Am Donnerstag hatte Rackete sich noch einmal rund vier Stunden lang den Fragen der Staatsanwaltschaft im sizilianischen Agrigento gestellt. Eine schnelle Entscheidung, ob es zu einem Prozess kommt oder die Vorwürfe fallengelassen werden, zeichnete sich aber nicht ab.

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Nach der Vernehmung hatte sie an die EU appelliert, eine Lösung bei der Verteilung von Migranten zu finden. "Es ist mir sehr wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass es gar nicht um mich als Person gehen soll, sondern es sollte um die Sache gehen", sagte sie.

"Wir haben Tausende von Flüchtlingen in einem Bürgerkriegsland, die dort eigentlich dringend evakuiert werden müssten", sagte Rackete. Sie erwarte von der EU, dass sie sich möglichst schnell darüber einige, wie diese Flüchtlinge in Europa aufgeteilt werden sollen.

Laut ihrem Anwalt gehört Rackete nicht mehr zur aktuellen Crew des Rettungsschiffs "Sea-Watch 3". "Carola ist nicht mehr Mitglied der derzeitigen Besatzung der Sea-Watch, sie macht jetzt also etwas anderes", sagte ihr Anwalt Alessandro Gamberini. Die "Sea-Watch 3" liegt zudem derzeit in Sizilien an der Kette und kann nicht ausfahren.

cht/dpa
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