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Vater über die Freilassung von Carola Rackete "Sie hat Verständnis für die italienischen Behörden"

Die deutsche Kapitänin Carola Rackete ist wieder frei - Italien verlassen will sie aber wohl vorerst nicht. Ihr Vater sagte dem SPIEGEL, die Behörden hätten sie zuvorkommend behandelt.

Die Eltern der Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete haben erleichtert auf die Freilassung ihrer Tochter reagiert. "Ich freue mich und bin sehr glücklich, dass der Hausarrest aufgehoben wurde", sagte ihr Vater Ekkehart Rackete, 74, dem SPIEGEL. Seiner Tochter gehe es gut, am Mittwochmorgen habe er eine Dreiviertelstunde mit ihr gesprochen.

"Carola ist lustig und fidel. Sie sagte mir, dass sie Verständnis für die italienischen Behörden habe, die müssten auch nur ihre Arbeit machen und hätten sie zuvorkommend behandelt." Ekkehart Rackete selbst sei allerdings nicht allzu besorgt gewesen. "Ich kenne meine Tochter und ihr Verhalten. Wenn die nicht in Panik verfällt, muss ich auf keinen Fall in Panik verfallen."

Laut ihrem Vater wolle Rackete in Italien bleiben, sie halte sich bei einer Sea-Watch-Unterstützerin auf. Erst nach der nächsten Anhörung wolle sie zurückkehren. "Dann will sie bestimmt erst mal etwas Vegetarisches zu essen haben", sagte Ekkehart Rackete.

Weitere Anhörung am 9. Juli

Seine Tochter war am Samstag festgenommen worden, nachdem sie das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" mit 40 Migranten an Bord unerlaubt nach Italien gefahren hatte. Am Dienstagabend hatte ein Ermittlungsrichter den Hausarrest für Rackete aufgehoben.

Nach Angaben von Sea-Watch argumentierte die Ermittlungsrichterin, die Kapitänin habe "in Erfüllung einer Pflicht" gehandelt und keine andere Wahl gehabt, als die Flüchtlinge nach Italien zu bringen. Ein umstrittenes Sicherheitsdekret der italienischen Regierung, das gewissen Schiffen die Fahrt in italienische Hoheitsgewässer verbietet, dürfe zudem nicht auf Rettungsaktionen angewendet werden.

Schließlich könne das Polizeischiff, gegen das die "Sea-Watch 3" im Hafen der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa gestoßen war, nicht als Kriegsschiff betrachtet werden. Die Justiz hatte der Kapitänin Widerstand gegen ein Kriegsschiff vorgeworfen, worauf bis zu zehn Jahre Haft stehen. Staatsanwalt Luigi Patronaggio kündigte am Dienstag an, mögliche Rechtsmittel gegen die Entscheidung der Ermittlungsrichterin zu prüfen.

Rackete wird in einem getrennten Verfahren auch Beihilfe zur illegalen Einwanderung vorgeworfen. Darum soll es bei einer weiteren Anhörung am 9. Juli gehen.

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cto/slü/dpa/AFP