Kuba-US-Annäherung Castro verlangt Ende der Sanktionen und Rückgabe Guantanamos

Tauwetter allein reicht noch nicht: Nach einem ersten Schritt der Annäherung zwischen Washington und Havanna stellt der kubanische Staatschef Castro nun konkrete Bedingungen für eine Normalisierung der Beziehungen.

Bildnis Fidel Castros in Havanna (Archiv): Fidel bleibt skeptisch, Raúl stellt Bedingungen
REUTERS

Bildnis Fidel Castros in Havanna (Archiv): Fidel bleibt skeptisch, Raúl stellt Bedingungen


Der kubanische Präsident Raúl Castro hat von der US-Regierung ein Ende des Wirtschaftsembargos und die Aufgabe des US-Militärstützpunktes Guantanamo Bay verlangt. Die jüngste diplomatische Annäherung der beiden seit langem verfeindeten Staaten mache sonst keinen Sinn, sagte Castro beim Gipfel der Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten (Celac) in Costa Rica.

"Die Handels- und Finanzblockade verursacht enorme wirtschaftliche Schäden und verstößt gegen internationales Recht." US-Präsident Barack Obama hatte seinerseits Reise- und Handelsbeschränkungen gelockert, aber von einer gänzlichen Aufhebung der Blockade war in Washington bisher nicht die Rede.

Castro sagte in Costa Rica, die kubanische Regierung werde es zudem nicht zulassen, dass sich die USA in interne Belange des Karibikstaates einmischten. Volle diplomatische Beziehungen seien gewollt, aber "wenn diese Probleme nicht gelöst werden, würde die diplomatische Annäherung keinen Sinn machen".

Das sozialistisch regierte Kuba und die Vereinigten Staaten hatten Mitte Dezember überraschend die Normalisierung ihre Beziehungen nach mehr als 50 Jahren diplomatischer Eiszeit angekündigt. Die Verhandlungen dazu wurden in der vergangenen Woche in Havanna aufgenommen. Sie sollen bald in Washington fortgesetzt werden.

Nach langem Schweigen hatte sich auch der ältere Bruder Raúls, Kubas Revolutionsführer Fidel Castro, zu Wort gemeldet und mitgeteilt, er lehne die Annäherung beider Staaten nicht ab, bleibe aber skeptisch. Er traue Washington weiterhin nicht über den Weg.

loe/dpa/rtr/AP

insgesamt 31 Beiträge
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go-west 28.01.2015
1. Ok,
dann aber im Gegenzug auch wirklich freie Wahlen mit der Möglichkeit auf Abwahl dieses Regimes.
wolla2 28.01.2015
2. Er hat die...
amerikanische Mafia 1959 aus Kuba rausgejagt ... warum sollte er sie jetzt wieder reinlassen ? Gut der Mann.
smokiebrandy 28.01.2015
3. So richtig glaube ich...
... noch nicht an das Ende der Eiszeit zwischen Kuba und den USA...da gibt es einfach noch zu viele Vorurteile und man kann vermuten, dass die USA keine Zugeständnisse in Bezug auf ihre Basis machen werden. Ich denke auch,dass Obama mit seiner Politik sich gegen seinen Kongress nicht durchsetzen kann.
Lankoron 29.01.2015
4. Warum können
Politiker nicht einfach mal den Mund halten und still verhandeln? Solche lautstarken Äußerungen sind dann nur wieder ein Grund für die rechten Flügel und die Exilkubaner, alles in Frage zu stellen. Populismus in Reinkultur...als würde es den entscheidenden Leuten überhaupt nicht an einer Normalisierung gelegen sein.
naive is beautiful 29.01.2015
5. ab dem zweiten Schritt wirds ja meist schwieriger...
...aber beiden Seiten sind gut beraten, den eingeschlagenen neuen Weg ernsthaft und pragmatisch weiter zu gehen. Für Obama ist das ungleich schwieriger als für Kuba (was hat Kuba schon zu verlieren...?), denn die USA sind schon jetzt mitten im Wahlkampf und die wiedererstarkten Republikaner werden Obama jeden nur erdenklichen Stein in den Weg legen. Bin gerade aus den USA zurück gekommen und konnte vor Ort live verfolgen, wie kompromisslos die Rep-freundlichen Medien ihre Geschütze bereits auf Dauerfeuer gebürstet haben. Mit ihrer Mehrheit in beiden Häusern können (und werden) sie so ziemlich alles blockieren, was die weiteren Annäherungsbemühungen voranteibt. So ist zu erwarten, dass sich bis zu den nächsten Presidentials Ende 2016 in der Kuba-Causa nicht allzu viel tun wird. Würde dann ein stramm konservativer neuer Präsident gewählt werden (was der Himmel und der US-Wähler verhüten möge), wäre es schnell aus und vorbei mit Annäherung oder gar Frieden. Überhaupt: Man mag über die USA, die NSA, CIA oder Homeland Security, ihre Datensammelwut oder vermeintliche Großmannsucht denken wie man will. Man sollte über alledem aber nicht vergessen, dass wir allen anderen Meinungen zum Trotz keinen anderen Verbündeten aus der Weltmachtriege haben - und die besteht realistisch betrachtet ohnehin nur noch aus zwei Playern (USA und China; Russland hat sich aus dieser Liga ja bereits verabschiedet und verblieben ist bestenfalls noch ihr hypothetisches Atomwaffen-Drohpotential). Kuba mag nun seine Bedingungen stellen - das sind lediglich Positionierungsversuche ohne ernsthaften Inhalt. Den Castros wird es wohl ziemlich klar sein, dass ihr Zeitfenster für konkrete Vereinbarungen klein ist, und dass historische Chancen sich nur selten wiederholen.
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