Chagos-Archipel Großbritannien soll Inselparadies räumen

Die Chagos-Inseln im Indischen Ozean gehören bisher zu Großbritannien. Nun hat der Uno-Gerichtshof entschieden: Der Archipel soll an seine Ureinwohner zurückgehen. Doch es gibt einen heiklen Pachtvertrag.

Chagos-Inseln
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Chagos-Inseln


Die jahrzehntelange Herrschaft Großbritanniens über den Chagos-Archipel im Indischen Ozean ist illegal. Das bescheinigte der Internationale Gerichtshof (IGH) nach Berichten des britischen "Guardian" in einem Gutachten. "Es ist Großbritanniens Pflicht, sich so schnell wie möglich von der Insel zurückzuziehen", sagte Abdulqawi Ahmed Yusuf, Präsident des Gerichts. Das Gutachten ist völkerrechtlich nicht bindend, hat aber einen hohen symbolischen Wert.

Die Richter sprachen dem Inselstaat Mauritius die rechtmäßige Verwaltung des Chagos-Archipels zu. Ursprünglich hatte das Gebiet zu Mauritius gehört - im Jahr 1965 allerdings, kurz vor der Unabhängigkeit von Mauritius, trennte London die Inseln ab und behielt sie als Kolonie. Rechtsvertreter für Mauritius sehen darin einen Verstoß gegen eine Uno-Resolution, die einen solchen Aufbruch von Kolonien vor ihrer Unabhängigkeit verbietet.

Anfang der Siebzigerjahre dann vertrieben die Briten insgesamt 1500 Bewohner des Archipels. Zudem verpachteten sie das Gebiet (inzwischen British Indian Ocean Territory genannt) an die USA - die dort einen strategisch wichtigen Luftwaffenstützpunkt unterhalten. Die USA betreiben dort unter anderem ein Gefangenenlager, das dem Guantanamo-Gefängnis ähneln soll.

Die Abspaltung der Chagos-Inseln von Mauritius habe nicht auf einer "freien Entscheidung der betroffenen Menschen" basiert, so IGH-Präsident Yusuf. Damit verstoße sie gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Mauritius hatte ausgesagt, damals von Großbritannien gezwungen worden zu sein, den Archipel aufzugeben.

Das Gericht war von der Uno-Vollversammlung beauftragt worden, seine Einschätzung zu dem Streit abzugeben. Nun wird erwartet, dass der Fall zurück an die Uno-Vollversammlung geht. Dort wird dann erneut debattiert - vor allem über die Frage, ob die vertriebenen Bewohner jemals wieder auf ihre Insel zurückkehren können. Das Urteil des Gerichts ging 13 zu eins aus. Die einzige Gegenstimme kam von einer US-Amerikanerin.

lmd/AFP

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