Chan Scheichun Russland kritisiert Uno-Bericht über Giftgasangriff in Syrien

"Oberflächlich, unprofessionell, amateurhaft": Russland hat den jüngsten Bericht über den Giftgasangriff im syrischen Chan Scheichun kritisiert. Die Uno hatte darin das Assad-Regime verantwortlich gemacht.

Opfer des Giftgasangriffs in Chan Scheichun
DPA

Opfer des Giftgasangriffs in Chan Scheichun


Russland will offenbar erwirken, dass die Vereinten Nationen einen Expertenbericht zu einem verheerenden Giftgasangriff in Syrien zurücknehmen und neu anfertigen lassen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP und beruft sich auf einen russischen Resolutionsentwurf für den Uno-Sicherheitsrat. Demnach wird von dem Ermittlerteam verlangt, seine Erkenntnisse zum Angriff auf Chan Scheichun im April zurückzunehmen, bis eine "umfassende und hochqualitative Ermittlung" vor Ort möglich werde.

Die Uno-Experten hatten die Streitkräfte des syrischen Regimes für den tödlichen Angriff verantwortlich gemacht, die mit Russland verbündet sind. Bei dem Giftgasangriff auf die von Rebellen gehaltene nordwestsyrische Ortschaft Chan Scheichun starben Anfang April mehr als 80 Menschen. Die Attacke löste weltweit Empörung aus.

Das syrische Regime bestreitet jegliche Verwicklung in den Angriff. Die USA und ihre Verbündeten machen hingegen seit Monaten die syrischen Streitkräfte für den Chemiewaffeneinsatz verantwortlich. Im September kam die Uno-Untersuchungskommission zur Lage der Menschenrechte in Syrien ebenfalls zu diesem Schluss.

US-Präsident Donald Trump reagierte kurz nach dem Chemiewaffeneinsatz mit einem Vergeltungsangriff auf einen syrischen Militärflughafen, von dem aus der Giftgasangriff gestartet worden sein soll.

"Oberflächlicher, unprofessionell, amateurhaft"

Das Gutachten zu dem Angriff auf Chan Scheichun sei "sehr oberflächlich, unprofessionell und amateurhaft", sagte der Leiter der Sicherheitsabteilung im russischen Außenministerium, Michail Uljanow. Die Uno-Ermittler hatten sich bei ihrem Gutachten auf Zeugenaussagen, Videomaterial, Fotos, Satellitenbilder sowie Proben aus Chan Scheichun gestützt.

Die Experten hätten ihre Ermittlungen aus der Distanz geführt, sagte Uljanow. Dies sei ein Skandal. Das Ermittlerteam hätte stattdessen eingestehen müssen, dass es unmöglich ist, unter den gegenwärtigen Bedingungen eine Untersuchung durchzuführen. In dem Resolutionsentwurf forderte Russland nun, so schnell wie möglich ein Team nach Chan Scheichun zu schicken.

Der Resolutionsentwurf wurde an die 15 Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats geschickt. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass die drei ständigen westlichen Mitglieder USA, Frankreich und Großbritannien, dem Entwurf Russlands zustimmen werden.

"Mangel an Respekt"

Das Weiße Haus verurteilte die Kritik aus Moskau an dem Gutachten. Sie zeige den "vollständigen Mangel an Respekt für internationale Normen", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders.

Die Uno-Ermittler sind Teil des sogenannten Gemeinsamen Untersuchungsmechanismus (JIM), der vor zwei Jahren nach mutmaßlichen Chlorgasangriffen auf syrische Dörfer eingesetzt wurde. An der Gründung von JIM war neben der Uno auch die in Den Haag ansässige Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) beteiligt. JIM läuft im November aus, in dem russischen Resolutionsentwurf wird eine Verlängerung von sechs Monaten gefordert. Erst Ende Oktober hatte Moskau mit seinem Veto eine einjährige Verlängerung der Mission verhindert.

koe/AFP/dpa

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