Chaos im Irak Bush-Berater zweifelt an Malikis Führungsstärke

In der US-Regierung gibt es ernste Bedenken, ob Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki die religiös motivierte Gewalt in seinem Land eindämmen kann. US-Präsident Bush trifft heute in Jordanien mit Maliki zusammen.


Washington - Malikis Position könnte für den Kampf gegen die schiitischen Milizen zu schwach sein, zitierte die "New York Times" aus einem Vermerk des Nationalen Sicherheitsberaters Stephen Hadley. Eine Sprecherin der US-Regierung wollte sich zunächst nicht zu dem Bericht über das Dokument für Präsident George W. Bush äußern.

Hadley beziehe sich in dem Dokument unter anderem auf ein Treffen mit Maliki, berichtet die "New York Times". "Er hat mich als Führer beeindruckt, der stark sein wollte, aber Schwierigkeiten hatte, herauszufinden, wie er das schaffen sollte", schreibe der US-Berater. Maliki erhalte "ohne Zweifel verzerrte" Informationen von einem kleinen Kreis von Beratern aus der schiitischen Partei Dawa.

"Seine Absichten scheinen gut zu sein, wenn er mit Amerikanern spricht." Er wolle gegen die von Schiiten dominierte Hierarchie kämpfen. "Aber die Realität auf den Straßen von Bagdad zeigt, dass Maliki entweder nicht weiß, was passiert, seine Absichten falsch darstellt oder dass er noch nicht genügend Ressourcen hat, seinen guten Absichten Taten folgen zu lassen."

Hadley empfiehlt Bush dem Blatt zufolge, den Regierungschef politisch zu stärken. Die USA könnten Druck auf Saudi-Arabien Druck ausüben, damit es seinen Einfluss auf die Sunniten im Irak nutzt. Im Gegenzug könnten die USA möglicherweise eine stärkere Rolle im Friedensprozess von Arabern und Israelis spielen.

Bush will Maliki heute in Jordanien treffen. Dabei soll es vor allem um die zunehmende Gewalt zwischen sunnitischen Aufständischen und schiitischen Milizen im Irak gehen. Dazu kommentiert die "New York Times": "Wenn die beiden in Jordanien sitzen, hoffen wir, dass sie sich gegenseitig endlich die brutalen Fakten in ihren jeweiligen Hauptstädten vor Augen zu führen. Bush muss dabei klar machen, dass die Geduld der Amerikaner quasi am Ende ist und dass er beginnen wird, seine Truppen nach Hause zurückzuholen."

Zuvor hatte die "Washington Post" aus einem geheimen Bericht der US-Marineinfanterie berichtet, wonach die Amerikaner die Provinz al-Anbar praktisch an die Terrororganisation al-Qaida verloren hätten. Die amerikanischen und irakischen Truppen seien darum nicht mehr in der Lage, die Aufständischen zu besiegen. Seit dem 1. September kamen allein in dieser Provinz mindestens 90 GIs ums Leben.

jaf/dpa/rtr



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